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    In der Ruhe Brandenburgs

    Freitag, Mai 25th, 2018

    Die Möwe 1, ein schwimmendes Ferienhaus auf dem Gräbendorfer See in Brandenburg

    „Ich weiß nicht, weswegen ich aufgeregter bin: wegen der Hochzeit oder weil du meine Heimat kennenlernst“, schrieb S. Da waren es noch wenige Tage bis zur kirchlichen Trauung ihrer Schwester in der Niederlausitz, der Braut und Trauzeugin kurz nach dem Abitur den Rücken gekehrt hatten. Aber Heimat bleibt Heimat, egal wie weit man sich von ihr entfernt.

    Das Fest konnte also nur dort sein. Mit mir, dem Städter, der sich jüngst mit einem schockierenden Bekenntnis botanischen Nichtwissens disqualifiziert hatte – so schockierend, dass es an dieser Stelle unspezifiziert bleiben soll. Und nun war ich auf dem Sprung ins Niemandsland, ein Teil Brandenburgs, so jwd, dass sich selbst mobile Daten kaum hintrauen.

    Was, wenn ich das ganz schrecklich finden würde?

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    Das andere Leben

    Freitag, Juli 6th, 2012

    Es mag banal erscheinen, aber als vor einer Woche mein Koffer und meine Tasche im heimischen Wohnzimmer zu Boden sanken und mein Blick durch die Gläser der Fensterfront fiel, als Grün die bestimmende Farbe war, da fiel mir erst auf, wie wenig Bäume es im subtropischen Palermo gibt. Die sizilianische Welt ist in andere Töne gehüllt.

    Trotz des hartnäckigen Stuttgarter Regens in diesen Tagen vermisse ich die Palmen nicht. Meine Mission auf der Insel ist erfüllt. Nicht nur, weil ich die erste Fassung meines Romans und mehrere Kurzgeschichten geschrieben, sondern weil ich dieses Herauskommen erfahren habe, dieses Hineinleben in eine andere Welt – abseits des deutschen Weges.

    Es lässt sich darüber streiten, inwieweit sich Menschen verändern, ob nun radikal oder schleppend, dauerhaft oder vorübergehend. Die Bedeutung der Frage ist für mich gering, weil nur das Jetzt zählt. Erst durch das Zurückkommen weiß ich endgültig, wie gut es getan hat, weg zu sein.

    Diesen Schwung trage ich bei mir, während ich mich wieder an die Heimat gewöhne – und schöpfe aus ihm die unbändige Lust, mich einer aktuellen Ausschreibung zu widmen: das Thema des 17. Münchner Kurzgeschichtenwettbewerbs lautet „frei sein“. Es ist ein Aufruf zum Austoben.

    Die Magie des Tapetenwechsels

    Samstag, Oktober 8th, 2011

    „Du bist nüchterner als ich“, sagte S. zu mir und blickte in den Raum. „Wie nimmst Du die Stimmung wahr?“ Also blickte auch ich in den Raum im obersten Stock des Internationalen Hauses in Würzburg, sah die Partygäste lachen, reden, trinken, sah vor allem im Hintergrund die hell erleuchtete Festung. „Gelöst“, sagte ich zu ihr. Und später, auf der Dachterasse, als wir zitternd in der Herbstkälte auf einem Sofa saßen und in der Dunkelheit neben uns L. auf der Gitarre Nothing else matters spielte und mit einstigen Bandkollegen sang, war ich es auch.

    Am Abend davor habe ich in Stuttgart A. dabei zugehört, wie sie von ihrer Heimatverbundenheit sprach und vom gleichzeitigen Wunsch, innerhalb der nächsten Jahre noch einmal woanders zu leben. Ich habe in diesem Moment nicht viel zum Gespräch beigetragen, aber ich bin ziemlich sicher, dass ich gelächelt habe. Als ich noch studierte, erlebte ich immer wieder, welch befreiendes Gefühl es war, eine Stadt hinter sich zu lassen und in die andere zu fahren. Die Magie des Tapetenwechsels schafft Raum für neue Perspektiven, verdrängt Verantwortlichkeiten und Baustellen, was man im Falle Stuttgarts ja durchaus wortwörtlich verstehen darf.

    Gestern bin ich nach Würzburg zurückgekehrt – wenn auch nur für eine Nacht und einen Vormittag. Bin durch die vertrauten Straßen gelaufen und habe mich erinnert. Habe gemerkt, dass wo immer man war, ein Stück von seinem Selbst blieb. Darauf wartend, dass man zurückkommt und es aufliest. Die innere und die äußere Freiheit einen Tapetenwechsel zu vollziehen, wenn mir danach ist, werde ich auf absehbare Zeit nicht aufgeben wollen. Sie ist eines der höchsten Güter, die ich besitze.