• Home
  • Blog
  • Texte
  • Reaktionen
  • Über mich
  • Impressum
  • Datenschutz

  • Posts Tagged ‘Irland’

    Stochern im Nebel

    Donnerstag, Juli 21st, 2016

    Nebel

    Im Autoradio sprachen sie über Tiere in der Politik. Minutenlang. Passive und aktive. Beömmelten sich über Clintons Kater Socks oder den mexikanischen Bürgermeister Clay Henry – eine Ziege mit großer Liebe zu Bier. C. und ich lauschten eine Weile, dann schalteten wir um. Auf dem Klassiksender lief Shostakovich. Das untermalte die Fahrt bedeutend passender.

    Etwas mehr als 48 Stunden dauerte unser Wochenendtrip auf den Ring of Kerry in Irland. Die Stimme des Piloten hatte im Lautsprecher leise und abgehackt geknistert. Dennoch glaubten wir das Versprechen eines „Mix aus Sonne und Wolken“ verstanden zu haben. Stattdessen: Nebel. Die vollen 48 Stunden lang. Unübersehbar. Überall entlang der engen Straßen.

    Wir lernten den Unterschied zwischen Mist und Fog. Wir lernten den Fog lieben. „Gebt mir hinterher nicht die Schuld“, sagte der Kartenverkäufer an den Kerry Cliffs. Wir dachten nicht daran. Wir liefen über menschenleere Pfade zur Absperrung. Der Duft des Meeres kroch in unsere Nasen, wo sich zuvor schon der Torfgeruch einquartiert hatte. Wir stoppten und schwiegen.

    Ein paar Tage später erzählte mir P., in Deutschland sei an dem Tag Sommer gewesen. Er meinte wohl, mich neidisch machen zu können. Das Gegenteil war der Fall. Sicher wäre es interessant gewesen, Skellig Michael zu sehen. Sicher hätten wir uns nicht gegen Sonnenstrahlen auf unserer Haut gewehrt. Doch der Nebel verschluckte alles, auch Wünsche. Und schenkte uns: Ruhe.

    Am Abend haute mir ein lachender Fremder an der Theke des Pubs seine Pranke auf die Schulter. „Niemand kommt wegen des Wetters nach Irland, sondern wegen unserer Kultur und unserer Natur.“ Ich war hundemüde, erschlagen von einem Alltag, von dem mir erst auffiel, wie anstrengend er gewesen war, nachdem ich mich weit von ihm entfernt hatte. Ins Bett wollte ich nicht.

    Insgeheim hatte ich gehofft, das Wochenende würde mir etwas Klarheit für die stagnierende Entwicklung des neuen Romans schenken. Anderswo zu sein hat schon häufig Steinbrocken aus dem Weg geräumt. Dieses Mal klappte es nicht. Ich stochere weiter im Nebel. Aber ich empfange ihn voller Gastfreundschaft. Gewisse Dinge muss man nehmen, wie sie sind.

    Nebel kann so schön sein.

    Weg, ganz weit weg

    Sonntag, August 16th, 2015

    Ich hätte es einfacher haben können. Nun wird die Anreise 42 Stunden dauern. Mit dem Zug nach München, mit dem Auto nach Ancona, mit der Fähre nach Patras und wieder mit dem Auto nach Korinth. 42 Stunden unterwegs – das wird großartig.

    „Und, gut erholt? Traurig, dass der Urlaub endet?“, fragte ich C., der heute Abend aus Sardinien zurückkehrt. „Urlaubsenden sind immer schade“, antwortete er. „Aber zehn Tage reichen auch aus für jemanden, der sonst eigentlich immer arbeitet.“

    Ich musste schmunzeln über die Sehnsucht nach Beschäftigung bei dem Jungen mit dem Bleifuß auf dem beruflichen Gaspedal. Auch, weil ich die Zappelligkeit des Entspannenden aus der Selbstbeobachtung kenne, diesen nie endenden Kampf des Selbstständigen mit dem Unerledigten.

    Es scheint mir manchmal so, als sei uns etwas eingepflanzt worden, das Alarm schlägt, sobald wir über einen gewissen Zeitraum hinaus ins Nichtstun abdriften. Weil Nichtstun schädlich ist für den Gesamtkreislauf. Weil es immer weitergehen muss. Kein Rad darf lange stillstehen.

    Ich drehe zurzeit an vielen Rädchen. Aber die nächsten knapp zweieinhalb Wochen werden sie stillstehen. Die Tisch-Eis-Hockey-WM ruft mal wieder – und diesmal ruft sie nach Griechenland. Schon die erwähnte Fahrt dorthin wird ein Fest. Weil ich in Bewegung sein werde, ohne mich bewegen zu müssen.

    Irland

    Das vergangene Wochenende verbrachte ich mit einer Gruppe Schweizer, österreichischer, Hamburger, dänischer, britischer und US-amerikanischer Kollegen auf einer Pressereise in Irland, unter ihnen so mancher Freigeist. Obwohl mit Arbeit verbunden, war dieser Trip durch die Ferne belebend.

    Nun breche ich gleich wieder auf und aus, diesmal ohne den Gedanken an Arbeit im Gepäck. Und sollte mich dieser verflixte Mechanismus kitzeln, werde ich wissen, wie ich die Sehnsucht nach Beschäftigung in rechte Bahnen lenken kann.

    Die Kopffreiheit hat schon immer meine Kreativität beflügelt.