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  • Posts Tagged ‘Italien’

    Auf den Straßen der Stadt

    Montag, Oktober 9th, 2017

    „Ich fahr‘ demnächst auch nach Rom zum Arbeiten. Zahlt der Kunde bestimmt“, sagte T., gewohnt süffisant. Und ich zuckte mit den Achseln, gewohnt gelassen. „Mach doch.“ Es war der Neid, der aus ihm sprach. Zumindest ein wenig, versteckt hinter einem Augenzwinkern – und genährt von der schwer durchbrechbaren Kraft einer Routine, die so was nicht kennt: Einfach wegzufahren.

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    Zurück nach Italien

    Dienstag, September 26th, 2017

    Die Abfahrt Richtung Gotthard hatten D. und ich verpasst. Doch wir fuhren weiter, kurzenschtlossen dem San-Bernardino-Pass entgegen. Ich begann mir bald Sorgen zu machen um meinen altersschwachen Polo. Er hielt durch.

    Wir fühlten uns wie bequeme Tour-de-France-Fahrer, als wir den höchsten Punkt hinter uns gelassen hatten. Von da an ging es abwärts – rein topographisch gesprochen.

    Italien rückte näher.

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    Sonnenbaden mit Geheimnis

    Samstag, Juli 12th, 2014

    Der Schweiß stand mir auf der Stirn, als ich um 19.48 Uhr die Stufen der U-Bahn-Station hinauf auf die Königstraße spurtete. Ich hatte mich mit meinem letzten Interviewpartner vor dem Urlaub verquatscht, brauchte aber dringend eine Sonnenbrille. Zwölf Minuten blieben. Ich rannte. Und der Straßenmusiker spielte Adriano Celentanos „Azzurro“.

    Gut 24 Stunden später saß ich in der Trattoria einer römischen Seitengasse und bestellte eine Penne all’arrabbiata zur Stärkung für die bevorstehende Autofahrt nach Osten, in die Abruzzen, in Richtung Meer. Und als alle Anspannung der vorangegangenen Wochen von mir abfiel, schlüpfte ein anderer Ohrwurm in meinen Gehörgang.

    KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

    Weil ich mal wieder etwas Geld hatte verdienen müssen, waren der Mai und der Juni anstrengende Monate gewesen. Denn Geld verdienen artet überraschenderweise meistens in Arbeit und Zeit aus, die dann mit der restlichen Arbeit und Zeit in den Ring steigt, jene mich ständig begleitende (noch) unbezahlte.

    Kurzum: Ich war reif für eine Pause. Ich musste zurück nach Italien, ich musste an den Strand, wo Störfaktoren höchstens in Form etwas zu lebendig quakender Einheimischer existieren, oder in der Sorge, nicht zu wissen, wie man die Massen an Mahlzeiten je wieder wird abtrainieren können.

    Die süßen Tage des Müßiggangs zu genießen fiel mir leicht, denn ich nahm ein Geheimnis mit an die Adria. Kurz vor dem Abflug hatte ich Verhandlungen abgeschlossen, kurz nach meiner Rückkehr setzte ich die Unterschrift über einen Vertrag mit der Arrowsmith Agency aus Hamburg.

    Frisch, unverbraucht und unkonventionell wirken die Literaturagentinnen von Arrowsmith auf mich, engagiert und professionell sowieso. Ich wähne mein Baby, den aktuellen Roman mit dem Arbeitstitel Pillen für die Monster, auf der Suche nach einem Verlag bei ihnen in guten Händen.

    Inzwischen bin ich zurück, die Arbeit geht weiter. Der letzte Schritt vor den nächsten Schritten: ein paar Feinkorrekturen.

    Weltenbummeln in Palermo

    Montag, März 19th, 2012

    Es braucht nicht viel für mich, um in Italien anzukommen. Ein Schritt aus dem Haus genügt. Eigentlich reicht es schon, das Fenster aufzumachen und den Hinterhofgeräuschen zu lauschen. Wenn ich aber auf der Straße stehe, umschwärmt mich diese spezielle Art von Leben, die es nur in (Süd-)Italien zu geben scheint – auch wenn diese Via Pietro Randazzo alles andere als eine Hauptstraße ist.

    Seit sieben Tagen strahlt hier die Sonne, ungestört von spielverderberischen Wolken. Ich habe das zu ausführlichen Spaziergängen genutzt, etwa über den grandiosen Markt Ballarò oder zum Hafen, in den Orto Botanico (den Botanischen Garten) oder in die Parkanlage Foro Italico direkt am Meer.

    Faszinierend sind dabei vor allem die sprunghaft wechselnden Welten. Mit den Straßen, auf denen tatsächlich derjenige Vorfahrt hat, der am lautesten hupt, und Zebrastreifen nur Dekoration sind. Mit den Gässchen, in denen man unter weitgespannten Wäscheleinen hindurchgeht und in denen die Türen aller Häuser offen stehen. Mit den Hauptstraßen, an denen einem Aufkommen und undurchschaubare Anordnung des Verkehrs den Kopf verdrehen. Und, wenige Schritte davon entfernt, mit den Orten völliger Entspannung.

    Auf den Bänken über dem Meer werde ich bestimmt noch häufig dem Rauschen der Wellen zuhören, die gegen die Felsen klatschen. Die lebendige Stadt, das zuweilen etwas hyperaktive Palermo, ist dort so nah und doch so weit weg.

    Palermo Writing

    Mittwoch, Juni 1st, 2011

    Es gibt diese eine Szene in Wim Wenders‘ gewohnt eigenwilligem Film Palermo Shooting. „Palermo?“, fragt da der Manager von Starfotograf Finn und in seiner Stimme hört man die nackte Verblüffung. Vielleicht mehr noch: den Zweifel am gesunden Menschenverstand des Klienten. „Hast Du einen blassen Schimmer wo Du das Shooting machen willst?“ Man sieht Campino, der diesen Finn spielt, aus dem Fenster des Fliegers blinzeln. „Nein ich war da noch nie“, antwortet er. „Aber ich gucke gerade Bilder an. Die gefallen mir.“ 2008, drei Tage vor Silvester, habe ich den Film in dem verträumten Stuttgarter Arthaus-Kino gesehen, in dem mich vor mehr als 20 Jahren schon Ronja Räubertochter zum Staunen gebracht hat. Und diese Stadt, diese Idee, ist mir seitdem nicht aus dem Kopf gegangen.

    Ich habe beschlossen, nächstes Jahr für vier Monate nach Palermo zu ziehen. Ich weiß noch nicht wohin. Ich weiß eigentlich überhaupt nichts von dieser Stadt, abgesehen von ihrer geografischen Lage und dem Namen ihres Fußballclubs. Aber ich weiß, dass ich dorthin möchte. Dass ich mich dort von März bis Juni 2012 in die Sonne, ans Wasser, auf Plätze setzen möchte. Dass ich durch die Gassen laufen möchte, um die Eindrücke auf mich einprasseln zu lassen. Dass ich Italienisch sprechen möchte. Und dass ich dort schreiben möchte. Ungebunden. Ungehindert. Kurzgeschichten, Romane, Gedichte, was immer mir einfällt. Also verlasse ich Ende des Jahres die Stuttgarter Zeitung – die Kollegen, das Blatt, die Herausforderungen, die mir ans Herz gewachsen sind – und folge dem Ruf der Ferne. Ich möchte mir in einigen Jahren nicht selbst vorwerfen müssen, keine Risiken eingegangen zu sein. Nicht der Risiken wegen. Sondern der Erfahrung. Der Horizonterweiterung. Des Lebens.