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    Wege nach und aus Frankfurt

    Samstag, Oktober 13th, 2012

    Von all den Erkenntnissen, die mich meine Studienzeit gelehrt haben, ist eine am hartnäckigsten haften geblieben: dem Glück jagt man am effektivsten hinterher, wenn man einen kleinen Schritt vor den nächsten setzt. In den vergangenen eineinhalb Jahren hat sie sich mit dem mehrfach betonten Glauben vermählt, dass der Weg beim Gehen entsteht.

    Nicht zu wissen, wohin dieser Weg führt, ist eine unmittelbare Konsequenz, die mich nicht im Mindesten beunruhigt oder stört. Ich habe den permanenten Dunst vor meinen Augen akzeptiert, das Vorantasten von einer Nebelbank in die nächste, den gelegentlichen Aufprall auf verschlossene Türen. Weil die Erfahrung zeigt, dass sich irgendwo in der Nähe eine offene findet.

    Die Frankfurter Buchmesse zu besuchen war eine jener Entscheidungen in die Ungewissheit hinein. Was ich wollte war, meiner Nachfolgerin, der Gewinnerin von You want to read in Frankfurt 2012, Ursula Kirchenmayer, zuzuhören und zu gratulieren. Was ich hoffte war, vor oder hinter den Ständen mit dem einen oder anderen jungen (oder auch älteren) Verlagsmenschen ins Gespräch zu kommen.

    Man hatte im Vorfeld meine Erwartungen gedämpft. Als unveröffentlichter Autor auf die Buchmesse zu gehen? Kann man vergessen! Verleger und Lektoren hätten viel zu viele Termine, um sich auch noch mit den Unverlangten zu beschäftigen. Es gibt Kollegen mit Doppelleben die behaupten, es hinge alles davon ab, ob man sich als Journalist oder Autor vorstelle.

    Doch die Journalistenkarte wollte und musste ich nicht ausspielen. Es haben sich auch so Gespräche ergeben. Gespräche und Kontakte über bereits bestehende. Zaghafte Kontakte nur, aber das ist nicht nur system-, sondern auch theorieimmanent. Entscheidend ist: der Weg ist ein Stück weiter entstanden, ich bin ein Schrittchen vorangekommen.

    In welche Richtung? Das weiß ich nach dem nächsten Schritt. Oder dem übernächsten.

    Hinweggefegt um zwei Uhr nachts

    Samstag, August 11th, 2012

    Einen Beitrag liest du noch, dachte ich mir gestern Nacht, gegen 2 Uhr. Scrollte mich durch die Liste, wählte eine Datei aus, klickte das Dokument wieder weg, weil es mir zu lang war, nahm ein anderes, las – und wurde in den darauffolgenden 40 Minuten hinweggefegt von einer Geschichte und ihrer Poesie, ihrer Wortgewalt, ihrer Kraft.

    Im vergangenen Oktober habe ich den Wettbewerb You want to read in Frankfurt des Netzwerks Junge Verlagsmenschen für unveröffentlichte Autoren gewonnen, in diesem Jahr sitze ich in der Jury. Bislang konnte mich das Gelesene kaum überzeugen, die gestrige Erfahrung war ein Keulenschlag.

    Man sagt, Schriftsteller gönnen ihren Kollegen nicht das Schwarze unter den Fingernägeln. Neid ist naturgemäß weit verbreitet in einer Szene, in der das Gros der Schwimmer permanent gegen das Untergehen strampelt, in der man gerne mal zweifelt, ob Misserfolg und Erfolg nicht eher eine Frage der Willkür denn der Qualität sind.

    Ich habe schon einmal erwähnt, dass Selbstzweifel mein ständiger Begleiter sind. Daran hat sich nichts geändert, daran wird sich nie was ändern. Die Lektüre gestern hat die Selbstzweifel angefeuert. Im Angesicht dieser leuchtenden Geschichte fühlte ich mich völlig in den Schatten verdrängt.

    Doch während ich weiter an eigenen Projekten feile, mit dem Ufer am Horizont, wünsche ich dem Autor oder der Autorin alles Gute – unabhängig von Ausgang des Wettbewerbs. Noch sind viele Beiträge ungelesen und es ist gut möglich, dass ich erneut hinweggefegt werde, vielleicht noch gewaltiger. Oder dass andere Jurymitglieder mein Urteil nicht teilen.

    Aber ich möchte diese Geschichte irgendwann ganz lesen – und ich möchte, dass sie andere lesen. Leider sind die Wege des Publizierens und des Wahrgenommenwerdens zuweilen etwas – ja sollte man jetzt unergründlich sagen? Oder doch eher willkürlich?

    Liebling, ich habe das Publikum geschrumpft

    Sonntag, November 20th, 2011

    Dies ist eine Geschichte, die sich um die Begriffe Stuttgart 21 und Rheinfall (mit h!) dreht, obwohl beide wenig miteinander zu tun haben. . .

    Sicherheitskräfte der Bahn bevölkerten meinen Bahnsteig. Ich nahm sie erst im zweiten Moment wahr. In dem Moment, in dem andere an mir vorbeiliefen, auf einem Marsch in Richtung erster Klasse. Ich erkannte Peter Hauk, den Fraktionschef der CDU im Landtag von Baden-Württemberg, obwohl er fast ein wenig unscheinbar wirkte. In Karlsruhe marschierten die Herren wieder aus dem Zug, empfangen von zünftiger Blasmusik. Ich hatte keine Zeit, mich ihnen oder ihrer Botschaft zu widmen. Ich musste meinen ICE nach Basel erwischen.

    24 Stunden später stieg ich in Zürich in einen Zug zurück nach Stuttgart und atmete internationale Luft. „Ici?“, fragte eine Französin ihren Mann. „Niccolo!“, sagte – im vorwurfsvollen Ton – eine Italienerin zu ihrem Mann. Hinter mir sprachen zwei Schweizer Damen ihre Art von Deutsch.

    Ich verbrachte die Zeit mit Lesen, doch zweimal schweifte mein Blick nach draußen. Beim ersten Mal sah ich in der Ferne einen steilen Hang und glaubte Kühe zu sehen, die dort grasten. Beim zweiten sah ich Wasser, in großen Mengen, beim Fallen. „Meine Damen und Herren, in Kürze erreichen wir Schaffhausen“, schallte es aus den Lautsprechern. Die wunderhübsche Asiatin auf der anderen Seite des Ganges wendete lächelnd ihren Blick ab und zog ihre Stiefel wieder an.

    Zwischen diesen Zugfahrten lag ein Besuch auf der BuchBasel und eine Veranstaltung der Jungen Verlagsmenschen (JVM), deren Autorenwettbewerb ich jüngst gewonnen habe. Eine kurze Lesung sollte es werden, anschließend eine Diskussion mit zwei jungen Schweizer Autorinnen. Die Moderatorin fragte mich, wie ich Inspiration finde. Sinngemäß habe ich geantwortet, das ließe sich nicht erzwingen, aber Inspiration käme automatisch durch Beobachtungen.

    Bemerkenswert war der Zuschauerzuspruch. Während ich las, hörten mir vielleicht ein Dutzend Menschen zu, inklusive der drei Frauen neben mir auf dem Podium, des Technikers und des JVM-Chefs. Die Messebetreiber hatten es verpasst, auf die Veranstaltung hinzuweisen.

    Berufsrisiko, dachte ich mir – und nahm es gelassen. Es haben schon ganz andere vor einer handvoll Zuhörern gelesen. Was bleibt ist die Erinnerung. Und ein Stück Inspiration. Nein, diese Reise war kein Reinfall.

    In Zeiten des aufflackernden Lichts

    Mittwoch, November 2nd, 2011

    Da stand ich nun mitten auf der Frankfurter Buchmesse und fühlte mich verloren. Durch die Gänge der Belletristik-Hallen drängten sich am Besuchersamstag Menschenmassen und jeder schien zielstrebiger zu sein als ich. Um mich herum schwirrten Mangakids – Feen, Trolle, Fabelwesen – und es tröstete mich nicht, dass A. mir erzählte, in Leipzig sei alles noch viel schlimmer.

    Ich ging, um nicht zu stehen und schaute, ohne zu entdecken. Irgendwann verließ ich die Herde, setzte mich in die Sonne und wartete. Wartete auf den Moment, da ich ins Lesezelt gehen konnte, um weiter zu warten. Auf Eugen Ruge und seine Zeiten des abnehmenden Lichts. Der frisch gekürte Gewinner des Deutschen Buchpreises kam, machte neugierig, brachte die Zuhörer zum Lachen und zeichnete ein Häkchen hinter meinen Besuch, der sich plötzlich doch gelohnt hatte.

    Gerne hätte ich ihn gefragt, wie er das geschafft hatte, aber als ich mich umdrehte, stand eine Schlange vor ihm. Ich kaufte mir einen Hot Dog und reihte mich wieder in die Herde ein.

    Früher als erwartet erwartet mich am Samstag, 19. November, der nächste Messebesuch. Und diesmal sind die Scheinwerfer auf mich gerichtet. Auf Einladung der Jungen Verlagsmenschen (der Einfachheit halber: der JVM) lese ich im Dialogzelt der BuchBasel. Verlorene Seelen sind herzlich willkommen. Unverlorene auch.