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  • Posts Tagged ‘Kopffreiheit’

    Fundort Fremde

    Donnerstag, Oktober 27th, 2016

    Lissabon II

    Der Brief war 1406 Tage unterwegs. Verschickt via FutureMe am 20. Dezember 2012. Von mir an mich. Mein 31-jähriges Ich sendete Grüße. Stellte neugierige Fragen. Erkundete sich nach Freunden. Wollte wissen, wie es mir ergangen sei. Berichtete aber auch von sich. Von Orientierungslosigkeit, von Fernsucht.

    Natürlich fiel mir sofort wieder ein, den Brief geschrieben zu haben, angetrieben von K., spätnachts in meinem Bett, wenige Tage vor Weihnachten in einem Jahr, das für mich einen Wendepunkt dargestellt hatte. Das Jahr, in dem ich nach Palermo gezogen war, um zu schreiben. Und: um allein zu sein.

    Einen Roman zu verfassen war damals nur der halbe Anlass gewesen, der Heimat für vier Monate den Rücken zu kehren. Mindestens genauso hartnäckig wollte ich mir selbst nahe oder näher kommen. Herausfinden, wie ich mich in dieser Welt, in dieser Gesellschaft positionieren wollte.

    Das zu ergründen, während ich mich in meiner Welt, in meiner Gesellschaft bewegte, erschien mir ein aussichtsloser Gedanke. Wer zu sich finden will, muss dem Alltag ins Gesicht spucken. Erst wenn das Ich losgelöst ist von Verpflichtungen, kann es sich mit sich auseinandersetzen.

    Ich habe damals Antworten gefunden. Sie umzusetzen und ihnen gerecht zu werden, war eine langwierigere Aufgabe und so sah ich den Aufbruch in die Fremde in diesem Jahr als erneute Chance zur Kopffreiheit. Wieder wollte ich einen Roman schreiben, wieder wollte ich allein sein.

    Nun ist der erste Monat in Portugal zu Ende und ich stelle fest: Ich muss hier gar nicht erst zu mir finden, ich war schon bei mir, als ich abflog. Zu leben bedeutet, beständig zu versuchen, die Balance zu halten. Aktuell laufe ich ohne Wackler über das Drahtseil. Kann mich aufs Schreiben konzentrieren.

    Der Roman handelt übrigens von gesellschaftlichen Rollen.

    Weg, ganz weit weg

    Sonntag, August 16th, 2015

    Ich hätte es einfacher haben können. Nun wird die Anreise 42 Stunden dauern. Mit dem Zug nach München, mit dem Auto nach Ancona, mit der Fähre nach Patras und wieder mit dem Auto nach Korinth. 42 Stunden unterwegs – das wird großartig.

    „Und, gut erholt? Traurig, dass der Urlaub endet?“, fragte ich C., der heute Abend aus Sardinien zurückkehrt. „Urlaubsenden sind immer schade“, antwortete er. „Aber zehn Tage reichen auch aus für jemanden, der sonst eigentlich immer arbeitet.“

    Ich musste schmunzeln über die Sehnsucht nach Beschäftigung bei dem Jungen mit dem Bleifuß auf dem beruflichen Gaspedal. Auch, weil ich die Zappelligkeit des Entspannenden aus der Selbstbeobachtung kenne, diesen nie endenden Kampf des Selbstständigen mit dem Unerledigten.

    Es scheint mir manchmal so, als sei uns etwas eingepflanzt worden, das Alarm schlägt, sobald wir über einen gewissen Zeitraum hinaus ins Nichtstun abdriften. Weil Nichtstun schädlich ist für den Gesamtkreislauf. Weil es immer weitergehen muss. Kein Rad darf lange stillstehen.

    Ich drehe zurzeit an vielen Rädchen. Aber die nächsten knapp zweieinhalb Wochen werden sie stillstehen. Die Tisch-Eis-Hockey-WM ruft mal wieder – und diesmal ruft sie nach Griechenland. Schon die erwähnte Fahrt dorthin wird ein Fest. Weil ich in Bewegung sein werde, ohne mich bewegen zu müssen.

    Irland

    Das vergangene Wochenende verbrachte ich mit einer Gruppe Schweizer, österreichischer, Hamburger, dänischer, britischer und US-amerikanischer Kollegen auf einer Pressereise in Irland, unter ihnen so mancher Freigeist. Obwohl mit Arbeit verbunden, war dieser Trip durch die Ferne belebend.

    Nun breche ich gleich wieder auf und aus, diesmal ohne den Gedanken an Arbeit im Gepäck. Und sollte mich dieser verflixte Mechanismus kitzeln, werde ich wissen, wie ich die Sehnsucht nach Beschäftigung in rechte Bahnen lenken kann.

    Die Kopffreiheit hat schon immer meine Kreativität beflügelt.