• Home
  • Blog
  • Texte
  • Reaktionen
  • Über mich
  • Impressum
  • Datenschutz

  • Posts Tagged ‘Leipzig’

    Neun Minuten für die Ewigkeit

    Sonntag, März 27th, 2016

    Leipzig

    Die Nervosität versetzte mich. Ich nahm es ihr nicht übel. Ich hatte nicht auf sie gewartet, hatte sie nur erwartet. Doch als sie nicht aufkreuzte, stellte ich mich in die Reihe der Wartenden und blickte nach vorn. Wartete und blickte noch entschlossener nach vorn. In die Gesichter der Lektorinnen.

    Eigentlich bin ich schon vor diesem Trip zur Buchmesse nach Leipzig reif für die Hängematte gewesen, in der ich diese Ostern baumele. Doch diese Reise, diese Extraschicht zu verpassen, hätte ich mir nicht verziehen. In den Messehallen lauerten Gelegenheiten. Komprimiert auf neun Minuten.

    Der Bundesverband junger Autorinnen und Autoren (BVjA) hatte zum Speeddating mit Verlagen geladen und ich mich kurzerhand entschlossen, meinen Hut namens Tom in den Ring zu werfen. Und – hurra, ein geeignetes Druckmittel! – ihn zu diesem Zweck endlich final zu überarbeiten.

    So saß ich am Tag vor den Dates (gleichzeitig der Tag nach dem verzweifelten Versuch, auf die Schnelle noch einen gelungenen Pitch zu zaubern) im Café Central A. und A. gegenüber, die sich freundlicherweise bereit erklärten, meine Probelektorinnen zu mimen. Inklusive kritisch-konzentrierter Blicke.

    Und so saß ich in der Nacht nach dem Tag vor den Dates auf A.’s Bettsofa und schmiss das Resultat meines verzweifelten Versuchs vom Tag vor dem Tag vor den Dates noch einmal um. Ein paar Stunden später weckte mich die Helligkeit, die durchs Fenster ohne Jalousie winkte.

    Die Nervosität winkte nicht. Dabei könnte man meinen, sie kreisele mit einem Baseballschläger vor der Nase rum, wenn man einen Roman zu verkaufen versucht, in den man mehrere Jahre seines Lebens investiert hat.

    Stattdessen fühlte ich mich selbstgewiss. Weil ich diese Veröffentlichung nicht um jeden Preis brauche. Weil ich zufrieden bin mit den Dingen. Weil mich die Überzeugung trägt, dass es irgendwann klappen wird mit dem Romandebüt.

    Vielleicht war das genau die Lockerheit, die es brauchte.

    Tische für die Leidenschaftsgetriebenen

    Sonntag, März 17th, 2013

    Der ältere Wortausspucker im ICE ließ seine Umgebung wissen, dass amerikanische Unterhosen früher auch schon mal besser waren. Um ihn herum saßen stirnrunzelnd lächelnd Menschen, vertieft in Feuilletonbeilagen und Tablets. Und durch den Zug wehte eine Atmosphäre, die einen schon kurz hinter Frankfurt lehrte, dass sich Leipzig näherte.

    Verschiedene Missionen trieben mich auf die Leipziger Buchmesse 2013, die erste Autorenrunde von Leander Wattig – jene organisierte Kollision von Autoren untereinander und mit Menschen aus Verlagen oder Agenturen, die wissen, was sie tun, was sie von sich und von anderen wollen und erwarten – war eine ganz wesentliche.

    In einer Welt, in der die geschicktesten Netzwerkspinner die größten Chancen haben, aus Schatten zu treten, muss gerade der schreibende Einsiedler hin und wieder das Licht seiner Schreibtischlampe ausknipsen und sich ans Tageslicht wagen, weil nur die Summe vieler Erfahrungen Ergebnisse macht.

    Ein Beispiel: „Was Autoren bei der Buchvermarktung von Film und Fernsehen lernen können“ schilderte der Filmemacher und Autor Detlev F. Neufert und berichtete von seiner Methode des höflichen Nervens. Sein von Grace Hopper geborgtes Motto: „Better ask for forgiveness than for permission“.

    Natürlich: nicht alles, was während der sechs Tischgespräche gesagt und geraten wurde, war neu. Die Probleme der Leidenschaftsgetriebenen und ihre theoretischen Lösungen sind weitläufig bekannt. Doch darum ging es nicht. Es ging um individuelle Erfahrungen im kollektiven Austausch, um ein Stück Gemeinschaft unter Konkurrenten.

    Es gibt genauso viele Gründe wie Missionen, die Leipziger Buchmesse im kommenden Jahr wieder zu besuchen. Die zweite Autorenrunde wäre ein ganz wesentlicher.