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    Mit Stephen King in Slowenien

    Samstag, August 10th, 2013

    In diesem niemals stillstehenden Prozess der permanenten Weiterentwicklung will man als Schreiberling vor allem eines sein: lernfähig. Vieles geschieht automatisch, anderes nicht. Das ist der Grund, warum ich Ende vergangenen Jahres Schreibratgeber durchforstete. Ein Buch blieb damals außen vor: Das Leben und das Schreiben von Stephen King.

    Von mehreren Seiten empfohlen, schrieb ich es auf die bereits einmal erwähnte To-do-Liste, wollte es mir aus der Bibliothek ausleihen – bis ich irgendwann mehr zufällig entdeckte, dass das Buch bereits in meinem Regal stand. Irgendwann musste ich es geschenkt bekommen haben, angefangen zu lesen, weggelegt und vergessen.

    Es muss wohl schon einige Jahre her sein, definitiv in einer Zeit, in der ich noch keinen Gedanken daran verschwendete, Schriftsteller zu werden, in der ich noch an den Journalismus glaubte und für ihn brannte. Als ich vor rund einem Monat nach Maribor aufbrach, um dort zu schreiben, nahm ich es mit.

    Einen daraus entnommenen Rat hatte mir eine Lektorin und Freundin schon vorher mitgegeben: Egal wie du dich fühlst, egal wie motiviert und wie inspiriert du bist, schreibe 2000 Wörter am Tag. Ich hielt nicht viel von diesem Rat, mir missfällt der Zwang, ich halte ihn für kontraproduktiv. Aber ich habe mich beobachtet, ich habe meine Wörter zählen lassen.

    Wenn ich in den vergangenen fünf Wochen tagsüber im von nahezu jeglicher Ablenkung befreitem Maribor oder nach meiner Rückkehr in Stuttgart trotz zahlreicher Ablenkung schrieb, kamen unterm Strich meist mehr als 2000 Wörter heraus. Nachts lag ich dann im Bett, las und lächelte.

    Kings Buch ist – wie sein Leben und seine Entwicklung – eine erfrischende Reise. Seine handwerklichen Tipps sind anschaulich und wo er dogmatische Züge annimmt, lässt er einem doch die Freiheit, ihm zu folgen oder nicht. Ich zog vieles aus dem Buch, ohne das Gefühl zu haben, ein Lehrbuch zu lesen. Das macht es so anders, so besonders.

    Seit gestern liegt die Erstfassung meines neuen Romans komplett vor. In knapp zwei Wochen beginnt die nächste Tour auf meiner Europatour 2013: Norwegen. Anders als Graz und Maribor kommt der Reise nach Voss nicht die Aufgabe der Inspiration zum Schreiben in der Fremde zu, sondern der des Abschaltens, des Vergessens, der Entschleuinigung.

    Irgendwann im Oktober, mit genügend nötigem Abstand zu meinem Manuskript, will ich mit dem Überarbeiten beginnen. Der erste Schritt wird sein, das Ding einmal zu lesen – und zwar nach Stephen King wie beim ersten Mal, als wäre ich Leser und nicht Autor. Der Gedanke gefällt mir, aber die Aufgabe wird verdammt schwer.

    Frische Luft für meine Lungen

    Samstag, Mai 25th, 2013

    Sie sagen mir, ich hätte den Regen und die Kälte mitgebracht, schauen traurig aus dem Fenster, frösteln sogar ein wenig. Und ich sitze daneben und lächle. Weil ich weiß, dass sie es nicht ernst meinen. Aber mehr noch: weil ich die Augen schließen und durchatmen kann, gestärkt von einem Teller traumhaft leckerer Ćevapčići.

    Als ich zuletzt von Schneeflocken Ende April schrieb, ahnte ich nicht, dass es sich Ende Mai noch immer wie Spätwinter oder Frühherbst anfühlen würde (um die ARD-Tagesthemen zu zitieren). Ich ahnte auch nicht, dass ich meine Tage als selbst kranke journalistische Krankheitsvertretung verbringen würde. Zeit und Muse zum Romanschreiben: quasi nicht vorhanden.

    Doch es gab da dieses Ziel, dieses Datum, das – je näher es rückte – meine Vorfreude steigerte und meinen Puls senkte: gestern habe ich mich in eine äußerlich niedliche, innerlich beengte Maschine der Tyrolean Airlines gesetzt und mich nach Graz bringen lassen. Dorthin kehre ich morgen, nach einem Kurztrip ins benachbarte Maribor, zurück.

    Graz ist für mich ein Mini-Palermo. Weil ich wieder fremde Luft in der Lunge spüren werde, weil ich wieder weg bin vom schwäbischen Alltag, von Verantwortung und Routine, von meinem Bett und meinem Schreibtisch, von dem Vogel, der – benebelt vom Balztanz, ständig gegen meine Fensterscheibe donnert, weil er sein Spiegelbild für einen Rivalen hält.

    Ich bin weggefahren, um an einem kärglichen Tisch in einem Jugendhotelzimmer zu schreiben, am besten wieder sechs Seiten im Schnitt pro Tag, wie vergangenes Jahr. Ich bin weggefahren, um durch die Stadt zu laufen, mit dem ledernen Notizbüchlein in der Hintertasche meiner Jeans, auf der Suche nach Eindrücken aus dem Leben.

    Viele Schriftsteller schätzen die Abgeschiedenheit oder die Fremde, weil sie frei macht. Immer wieder in sie eintauchen zu können war mein Grund, mich von festen Arbeitsverhältnissen zu lösen. Die Woche in Graz wird schneller vorüber sein als mir lieb ist. Aber sie ist nur der Anfang meiner Europatour 2013. Es gibt so viel zu erleben, so viel zu schreiben.