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    Das Idyll von Mikro Nisi, Zakynthos

    Sonntag, August 26th, 2018

    Tor zum Meer in Mikro Nisi, Zakynthos, Griechenland

    Hinter dem weißen Törchen führten ein paar Stufen hinab zu den Felsen. Und die Felsen führten direkt ins Wasser. Jeder Schritt wollte überlegt sein, denn natürlich gab es rutschige Flächen, Unebenheiten, scharfe Kanten. Ich schürfte mir Arme und Beine auf, aber ich war glücklich; wir waren allein.

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    Weltenbummeln in Palermo

    Montag, März 19th, 2012

    Es braucht nicht viel für mich, um in Italien anzukommen. Ein Schritt aus dem Haus genügt. Eigentlich reicht es schon, das Fenster aufzumachen und den Hinterhofgeräuschen zu lauschen. Wenn ich aber auf der Straße stehe, umschwärmt mich diese spezielle Art von Leben, die es nur in (Süd-)Italien zu geben scheint – auch wenn diese Via Pietro Randazzo alles andere als eine Hauptstraße ist.

    Seit sieben Tagen strahlt hier die Sonne, ungestört von spielverderberischen Wolken. Ich habe das zu ausführlichen Spaziergängen genutzt, etwa über den grandiosen Markt Ballarò oder zum Hafen, in den Orto Botanico (den Botanischen Garten) oder in die Parkanlage Foro Italico direkt am Meer.

    Faszinierend sind dabei vor allem die sprunghaft wechselnden Welten. Mit den Straßen, auf denen tatsächlich derjenige Vorfahrt hat, der am lautesten hupt, und Zebrastreifen nur Dekoration sind. Mit den Gässchen, in denen man unter weitgespannten Wäscheleinen hindurchgeht und in denen die Türen aller Häuser offen stehen. Mit den Hauptstraßen, an denen einem Aufkommen und undurchschaubare Anordnung des Verkehrs den Kopf verdrehen. Und, wenige Schritte davon entfernt, mit den Orten völliger Entspannung.

    Auf den Bänken über dem Meer werde ich bestimmt noch häufig dem Rauschen der Wellen zuhören, die gegen die Felsen klatschen. Die lebendige Stadt, das zuweilen etwas hyperaktive Palermo, ist dort so nah und doch so weit weg.

    Palermo Writing

    Mittwoch, Juni 1st, 2011

    Es gibt diese eine Szene in Wim Wenders‘ gewohnt eigenwilligem Film Palermo Shooting. „Palermo?“, fragt da der Manager von Starfotograf Finn und in seiner Stimme hört man die nackte Verblüffung. Vielleicht mehr noch: den Zweifel am gesunden Menschenverstand des Klienten. „Hast Du einen blassen Schimmer wo Du das Shooting machen willst?“ Man sieht Campino, der diesen Finn spielt, aus dem Fenster des Fliegers blinzeln. „Nein ich war da noch nie“, antwortet er. „Aber ich gucke gerade Bilder an. Die gefallen mir.“ 2008, drei Tage vor Silvester, habe ich den Film in dem verträumten Stuttgarter Arthaus-Kino gesehen, in dem mich vor mehr als 20 Jahren schon Ronja Räubertochter zum Staunen gebracht hat. Und diese Stadt, diese Idee, ist mir seitdem nicht aus dem Kopf gegangen.

    Ich habe beschlossen, nächstes Jahr für vier Monate nach Palermo zu ziehen. Ich weiß noch nicht wohin. Ich weiß eigentlich überhaupt nichts von dieser Stadt, abgesehen von ihrer geografischen Lage und dem Namen ihres Fußballclubs. Aber ich weiß, dass ich dorthin möchte. Dass ich mich dort von März bis Juni 2012 in die Sonne, ans Wasser, auf Plätze setzen möchte. Dass ich durch die Gassen laufen möchte, um die Eindrücke auf mich einprasseln zu lassen. Dass ich Italienisch sprechen möchte. Und dass ich dort schreiben möchte. Ungebunden. Ungehindert. Kurzgeschichten, Romane, Gedichte, was immer mir einfällt. Also verlasse ich Ende des Jahres die Stuttgarter Zeitung – die Kollegen, das Blatt, die Herausforderungen, die mir ans Herz gewachsen sind – und folge dem Ruf der Ferne. Ich möchte mir in einigen Jahren nicht selbst vorwerfen müssen, keine Risiken eingegangen zu sein. Nicht der Risiken wegen. Sondern der Erfahrung. Der Horizonterweiterung. Des Lebens.