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    Weit oder wie das Leben so spielt

    Freitag, Februar 2nd, 2018

    Einfach los, nach Osten. Per Anhalter, Bus, Zug oder zu Fuß, wenn ein Ozean im Weg steht auch auf Schiffen, niemals aber mit dem Flugzeug. So lange, bis man aus dem Westen wieder in Freiburg ankommt. Das nahmen sich Gwendolin Weisser und Patrick Allgaier vor, setzten es um und waren bald Weit weg.

    Die Geschichte ihres Wegs um die Welt haben sie festgehalten und 2017 ins Kino gebracht. Dort hielt sich der Dokumentarfilm monatelang – er hält sich teilweise immer noch – und avancierte zum erfolgreichsten Arthaus-Kinofilm des Jahres. Zurecht, denn er ist mitreißend, schön und lebensnah.

    Ich stand noch unter dem Eindruck von Weit, als ich Anfang Januar beschloss, dieses Jahr nicht nur wöchentlich einen Literaturtag einzulegen und monatlich eine Erzählung zu Papier zu bringen, sondern auch jeden Monat einmal zu reisen. Allein: Das Leben steckt voller Zielkonflikte.

    Rödeln im Schnee

    In meiner Funktion als Pressesprecher des Nordic Paraski Teams Deutschland war ich zuletzt zehn Tage im Schwarzwald – beim Weltcup von Oberried. Wenige Wochen vor den Paralympischen Spielen, die mich im März nach Südkorea führen werden, war das Medieninteresse groß. Und mit ihm mein Pensum.

    Fernseh- und Zeitungskollegen mit Informationen zu versorgen, Termine der Athleten zu koordinieren, sie schwere Anstiege hinaufzubrüllen oder den Verbandspräsidenten zu einem Abendessen mit der nordkoreanischen Delegation zu begleiten, war unglaublich spannend und erfüllend. Aber auch: zeitintensiv.

    Ein Plan hat Pause

    Zwischendurch Raum für einen Literaturtag zu schaffen, meiner Definition nach also ein Tag, an dem die Literatur Priorität genießt, das war nicht drin. Wenn ich abends im Hotelbett die letzte Mail beantwortet hatte, fehlte mir gar die Kraft und Inspiration für eine Literaturstunde.

    Ich nahm es halb lächelnd, halb achselzuckend hin und mir vor, alles nachzuholen (was ich sodann auch in dieser Woche getan habe – mit Resultaten, die gestern und vorgestern auf die Post gingen). Das Leben ist so: Es funkt immer wieder dazwischen. Auch wenn man eine Weltreise macht.

    Gesichterkunde in Weit

    In Gwendolin Weissers und Patrick Allgaiers Gesichtern in Weit ist zuweilen völlige Erschöpfung zu sehen. Wenn sie als Mitfahrer eines schrottreifen Geländewagens im Bett eines Gebirgsflusses hängenbleiben, meint man in ihren Augen die Frage zu erkennen, worauf sie sich da nur eingelassen haben.

    Das spricht für die Authentizität des Filmes. Eine Weltreise, zumal eine wie ihre, ist oft viel unromantischer und beschwerlicher als in der träumerischen Vorstellung. Nichts ist immer federleicht, Schönheit selten ohne Anstrengung erhältlich.

    Ein Plädoyer für Menschlichkeit

    Das Paar zieht trotzdem weiter, weil es „Fantasie mit Erfahrung tauschen“ will. Es hält die Kamera auch auf andere Gesichter dieser Welt und liefert so ausdrucksstärkere Bilder, als es die umwerfenden Landschaftsaufnahmen zu transportieren vermögen. Weil sie mit ihnen ein Plädoyer für Menschlichkeit und gegen Vorurteile abgeben.

    Der Film hallt nach. Er beschwingt. Auch Monate nachdem ich ihn gesehen habe noch. Er hat einen meiner Vorsätze für dieses Jahr geschmiedet. Und wenn dieser auch mit dem anderen kollidieren mag: Ich bin gewillt, beiden bestmöglich gerecht zu werden – so weit es das Leben zulässt.

    Ein volles Leben

    Montag, Februar 29th, 2016

    Bensch Blog Foto

    Da sind diese Menschen, denen Beine, Arme oder das Augenlicht fehlen. Die trotzdem mit Langlaufskiern Anstiege hinaufklettern oder Abfahrten hinunterstürzen, als wäre es nichts. Die zwar einander Konkurrenten sind, sich aber trotzdem nicht mit bissiger Rivalität begegnen, sondern mit Respekt und Herzlichkeit.

    Eine Woche lang Teil des Weltcup-Zirkus im paralympischen Ski Nordisch gewesen zu sein und das deutsche Nordic Paraski Team als Pressesprecher zu begleiten, war wie Urlaub. Ein sehr anstrengender Urlaub, die Tage begannen früh und endeten spät, aber dennoch: Wie Urlaub, weil so wundervoll wohltuend.

    Die Begegnungen dieser Woche in Finsterau im Bayerischen Wald werde ich noch mit mir tragen, wenn der Alltag auch schon mit seinen kalten, feuchten Fingern nach mir greift. Also morgen früh, gleich nach dem Aufwachen. Keine Atempause – es geht voran. Mein Leben ist mal wieder voll.

    Viele Projekte verlangen gerade meine Aufmerksamkeit. Kleine wie das Porträt über die Darts-Legende Rod Harrington, dessen Deadline stündlich näher rückt. Oder große wie die Produktion des Buches Wenn die Milbe auf den Käse kotzt – Die 33 verblüffendsten Museen Deutschlands, das Mitte April erscheint.

    Die schiere Zahl der Projekte wird überraschenderweise nicht weniger, wenn man eine Woche lang durch den Bayerischen Wald krebst. Aber es sind diese großen und kleinen Zwischentöne abseits der großen und kleinen Projekte, die das Leben spannend machen. Voll ja, aber auch erfüllt.