• Home
  • Blog
  • Texte
  • Reaktionen
  • Über mich
  • Impressum
  • Datenschutz

  • Posts Tagged ‘Palermo’

    Die letzte Nacht mit Gigi Buffon

    Dienstag, Juni 28th, 2016

    Lissabon

    M. brüllte. Stichelte. Frohlockte. „Gigi“, erklärte er mir, „ist der beste Torhüter der Welt.“ Anfangs hatte ich noch gelächelt, ja sogar gelacht. Bevor Balotelli kam. Doch je länger das Spiel dauerte, desto mehr wünschte ich mir, das Schicksal würde sie bestrafen. M. und Buffon. Das Schicksal oder Thomas Müller. Aber am Ende traf nur Özil. Kurz vor Schluss. Per Elfmeter (!). Zum Anschlusstreffer. Zu wenig.

    Das Halbfinal-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der letzten Fußball-Europameisterschaft jährt sich heute zum vierten Mal. Es war mein letzter Abend in Palermo, ein Abend voller Ironie. Die Deutschen flogen nach Hause, ich flog nach Hause – und die Italiener feierten. Ich habe es ihnen letztlich gegönnt, schon bald nach dem Abpfiff. Weil ich sie lieb gewonnen hatte.

    (mehr …)

    Einfach losfahren – mit den Mayas

    Montag, Mai 14th, 2012

    An dem Tag, an dem es mich nach Monreale zog und ich steile Wege hinaufstieg, um auf einem Mäuerchen sitzend auf die Kathedrale zu schauen, ging ich nachmittags noch in eine Buchhandlung. Heraus kam ich mit Palermo è una cipolla von Roberto Alajmo und Einfach losfahren von Fabio Volo.

    Alajmos Essayband wollte ich schon in Deutschland lesen. Doch das Buch – aus Palermo ist eine Zwiebel wurde der reißerische Titel Palermo sehen und sterben – ist nicht mehr verfügbar. Die ersten Seiten haben mich zum Schmunzeln gebracht. Es steckt so viel Sizilien darin. Mit Fabio Volos Roman bin ich schon durch. Es war ein Glücksgriff.

    Vor etwas mehr als einem Jahr stand ich vor der Frage, wie es weitergehen sollte: wie gewohnt (und zu diesem Zeitpunkt noch) recht komfortabel als Journalist oder anders. Schnell stand für mich fest, dass ich, jung und ungebunden, etwas anderes probieren wollte. Die Frage war nur: wann?

    Der Gedanke mag zunächst albern oder abergläubisch wirken, aber letztlich hat der Trubel um die angebliche und vor einigen Tagen endgültig abgesagte Weltuntergangsprophezeiung der Mayas mit den Ausschlag gegeben, es nicht weiter vor mir herzuschieben.Weil das Leben jetzt ist, nicht später.

    Auch ich bin einfach losgefahren und habe die Entscheidung nicht bereut, obwohl es manchmal etwas kühl ist ohne den Mantel beruflicher (Schein-)Sicherheit. Und als ich Fabio Volos Roman las, war es teilweise so, als begegnete ich mir selbst.

    Hängen geblieben ist vor allem ein Satz, den Volo – soweit ich das herausfinden konnte – von Leo Tolstoi übernommen hat. „Glück besteht nicht darin, zu tun, was man will, sondern zu wollen, was man tut.“ Ich will noch viel tun.

    Das letzte Kapitel

    Sonntag, April 1st, 2012

    „Fa caldo“, sagte N. – ganz schön heiß da draußen. Ich schaute zum Fenster raus, sah nur die bekannten Wohnhausmauern, zuckte mit den Schultern. Wir trafen uns um 16.30 Uhr für eine kleine Tour – und als ich zur Wohnungstür heraustrat wusste ich, was er gemeint hatte.

    Als ich am 1. März nach Palermo flog, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, zunächst und vor allem meinen Roman zu schreiben, in Ruhe und in Freiheit. Im Schnitt drei Seiten täglich, 21 in der Woche, das war mein Ziel. Viereinhalb Wochen und 180 Seiten später – im Schnitt fast doppelt so viel wie geplant – stehe ich vor dem letzten Kapitel.

    Ich hätte im März mehr rausgehen können, mehr Menschen kennenlernen, mehr Orte bereisen, mehr Italienisch sprechen, mehr Beobachten und Lernen. Ich habe hauptsächlich gearbeitet, mir immer wieder einen Schuss Inspiration geholt, wenn ich sie gebraucht habe. Ich wollte erst schreiben, den Rückenwind nutzen. Und wenn ich dazu die meiste Zeit in einem abgedunkelten Hinterhofzimmerchen verbringen musste.

    Spätestens Ende nächster Woche vollziehe ich den Perspektivenwechsel. Das Leben mit Tom ist natürlich noch längst nicht beendet – nur der erste Entwurf steht vor dem Abschluss. Es muss noch viel gefeilt, viel geschliffen werden. Aber das hat Zeit. Das braucht Abstand.

    Ich biege bei meinem Schreibmarathon auf die Zielgerade ein. Und freue mich auf kühle Getränke dahinter. Fa caldo.

    Das letzte Dutzend

    Mittwoch, Februar 29th, 2012

    Zwölf Stunden sind es noch. Zwölf Stunden, dann startet mein Flieger nach Palermo. „Wie fühlst Du Dich?“, haben mich viele der vielen Menschen gefragt, die sich in den vergangenen Tagen von mir verabschiedet haben. Die Antwort ist: Ich bin aufgeregt, nervös, müde, voller Vorfreude und gespannter Erwartung. Ein Gefühlsmix.

    Inzwischen sind mir die Betätigungsoptionen abhanden gekommen. Max Frisch liegt neben mir, die letzten 30 Seiten von Homo Faber will ich noch lesen, um an Gepäckgewicht zu sparen. Musik von Mumford & Sons stimmt mich auf das ein, was da kommen mag, was auch immer es sein wird.

    K. hatte mich in Hamburg mit den Briten bekannt gemacht. Am Tag nach dem Auftritt beim Lola-Slam, der mit misslungen wohl am treffendsten beschrieben ist und der mir einmal mehr poetische Grenzen aufzeigte, schwelgte ich in Erinnerungen und bereitete mich gleichzeitig auf die Zukunft vor.

    Selbige beginnt bald, morgen, nach dem Aufstehen. Es kann ein wenig dauern bis zur nächsten Wortmeldung. Ich muss mich erst ins sizilianische Chaos einordnen. Bis bald!

    Nächte ohne Morgen

    Donnerstag, Dezember 1st, 2011

    Die Fragen mehren sich. „Haben Sie schon gepackt?“, wollen die einen wissen. Ob ich schon eine Wohnung in Palermo habe die anderen. Wann es denn nun los gehe. Wie ich mir alles vorstelle. Auf den Tag drei Monate bevor ich in ein Flugzeug nach Sizilien steige  – mit einem Gepäck, das die Obergrenze für das Gewicht ausreizen wird – antworte ich den Neugierigen mit einem Lächeln, einem Augenzwinkern, einem Hochziehen der Brauen. Oder, ganz häufig: mit einem Nein.

    Einem Nein, weil ich nicht weiß, wie es sein wird. Weil ich nicht weiß, was sein wird. Oder wo oder wann. Ich weiß nur, dass ich mich auf das Ungewisse freue. Ich freue mich darauf, um 23 Uhr nach Hause zu kommen und nicht ans Morgen zu denken. Anfangen zu schreiben und erst aufzuhören, wenn der Fluss in mir ausgetrocknet ist.

    In diesen Herbsttagen, in denen ich Anlauf nehme für den Schlussspurt bei der Zeitung, beobachte ich den Alltag mit hinter dem Kopf verschränkten Armen. Ich muss ein wenig aufpassen, damit nicht anzuecken. Bei der Wahl zwischen Freiheit und Sicherheit werde ich immer ersteres ankreuzen.

    Und irgendwann im Januar werde ich morgens aufstehen und nicht in die Redaktion fahren, sondern an den Mailänder Platz, zum Rendezvous mit der Inspiration. Und um mit dem Ort der Lesung am 13. Februar warm zu werden.

    [mp_share_center]