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    Wie es auch sein könnte

    Samstag, März 24th, 2018

    Abschlussfeier der Paralympics in Pyeongchang mit Nationenfahnen

    Ich hatte einen Traum. Zwei Wochen lang. Dann kehrte ich aus Pyeongchang zurück, von den Paralympics in Südkorea. Ich sah den ersten Miesepeter auf der Straße, ich begegnete dem ersten Fremden, dem ich Feindseligkeit unterstellte und mich schämte. Und mit einem Mal spürte ich, wie schön der Traum gewesen war.

    Natürlich ist ungewiss, ob das Lächeln der Volunteers, ob ihre Freundlichkeit nur aufgesetzt oder echt war. Aber sie fühlte sich echt an. Sie steckte an. Natürlich wollte jeder Athlet den anderen schlagen, wollte der Welt zeigen, dass er der Beste ist, dass sein Land das Beste ist. Aber wenn das Nationalismus war, blieb er doch stets respektvoll.

    Drei Geschichten aus dem paralympischen Leben

    Die Norwegerin B. umarmte im Ziel ihre deutsche Konkurrentin. Die hatte soben eine Medaille gewonnen, sie selbst eine verpasst. „She’s my hero“, sagte die Unterlegene strahlend in die TV-Kameras. Nichts daran war aufgesetzt.

    Die beiden Nordkoreaner im Langlauf kamen mit 23 Minuten Rückstand auf den Sieger ins Ziel. Im Publikum jubelten die Südkoreaner den verfeindeten Brüdern zu, als hätten die das Rennen gewonnen. Und die verdutzten Brüder winkten.

    Der Kanadier am Imbiss hatte zwei Kreditkarten. Mit keiner der beiden konnte er bezahlen. Ich half mit meiner aus. Das klappte. „Typisch deutsch. Da funktioniert halt alles“, sagte er und lachte mich an.

    In der Parallelwelt Pyeongchang

    Menschen, die Olympische oder Paralympische Spiele erlebt haben, schwärmen von der besonderen Atmosphäre dort. Ich hatte eine ungefähre Vorstellung von dem, was sie meinen. Und doch musste ich selbst dabei sein, um es zu verstehen.

    Natürlich war – Vorsicht Doppelsinn! – nicht alles Gold, was glänzte. Das Hotelzimmer hatte weder Betten noch Tische. Wir schliefen und arbeiteten auf Futons. Mein Rücken meldete nach zweieinhalb Nächten Bedenken an. Auch die Zugangskontrolleure nahmen es manchmal etwas zu genau.

    Und doch: Die gute Laune und die Unbeschwertheit konnte das nicht erschüttern. Wir schliefen einfach wenig und arbeiteten viel draußen und den Kontrolleuren gegenüber lernten wir zu lächeln und zu nicken. Da gab es kein böses Blut. Da gab es nur die internationale paralympische Gemeinschaft.

    Dann kehrte ich zurück. Wachte auf. In einem Alltag, getrieben von Missgunst und Misstrauen. Mir passiert so etwas nicht zum ersten Mal, wenn ich nach Deutschland zurückkehre. Und doch erschreckt es mich jedes Mal aufs Neue.

    Eigentlich sollte ich gleich wieder einschlafen.

    Ein volles Leben

    Montag, Februar 29th, 2016

    Bensch Blog Foto

    Da sind diese Menschen, denen Beine, Arme oder das Augenlicht fehlen. Die trotzdem mit Langlaufskiern Anstiege hinaufklettern oder Abfahrten hinunterstürzen, als wäre es nichts. Die zwar einander Konkurrenten sind, sich aber trotzdem nicht mit bissiger Rivalität begegnen, sondern mit Respekt und Herzlichkeit.

    Eine Woche lang Teil des Weltcup-Zirkus im paralympischen Ski Nordisch gewesen zu sein und das deutsche Nordic Paraski Team als Pressesprecher zu begleiten, war wie Urlaub. Ein sehr anstrengender Urlaub, die Tage begannen früh und endeten spät, aber dennoch: Wie Urlaub, weil so wundervoll wohltuend.

    Die Begegnungen dieser Woche in Finsterau im Bayerischen Wald werde ich noch mit mir tragen, wenn der Alltag auch schon mit seinen kalten, feuchten Fingern nach mir greift. Also morgen früh, gleich nach dem Aufwachen. Keine Atempause – es geht voran. Mein Leben ist mal wieder voll.

    Viele Projekte verlangen gerade meine Aufmerksamkeit. Kleine wie das Porträt über die Darts-Legende Rod Harrington, dessen Deadline stündlich näher rückt. Oder große wie die Produktion des Buches Wenn die Milbe auf den Käse kotzt – Die 33 verblüffendsten Museen Deutschlands, das Mitte April erscheint.

    Die schiere Zahl der Projekte wird überraschenderweise nicht weniger, wenn man eine Woche lang durch den Bayerischen Wald krebst. Aber es sind diese großen und kleinen Zwischentöne abseits der großen und kleinen Projekte, die das Leben spannend machen. Voll ja, aber auch erfüllt.