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    Wider die Allianz der Unnachgiebigen

    Dienstag, Oktober 21st, 2014

    Sie schienen sich gegen mich verschworen zu haben, in einer Allianz der Unnachgiebigen. Claus Weselsky ließ die Züge stoppen, Petrus die Sonne scheinen. So golden der Oktober und so beschwert die Anreise für die S-Bahn-Fahrer hatte ich am vergangenen Sonntag schon befürchtet, ich würde vor leeren Stühlen lesen. Tat ich aber nicht. Und alles wurde gut.

    Das 7. Literaturfest Ludwigsburg war prächtig besucht, obwohl die Schlangen vor dem Blühenden Barock 300 Meter weiter oder vor den Eisverkäufern auf der mediterran anmutenden Piazza in der Unteren Marktstraße naturgemäß länger waren. Trotzdem: das Interesse am geschriebenen Wort war groß. Und das Programm vielfältig.

    Ein Teil dieses Programms zu sein, im Foyer des Kulturzentrums für eine halbe Stunde eine Bühne zu bekommen, hat Spaß gemacht. Ich komme gerne wieder. Doch die Aussicht auf Spaß allein war es nicht, die mich anzog, es war auch die Gelegenheit, Auszüge aus dem Manuskript von Das Gift und das Gute zu präsentieren. Ein Testlauf gewissermaßen.

    Die Gespräche, die ich hinterher mit Zuhörenden führte, waren ermutigend. Offenbar hatte ich einen Nerv getroffen, Interesse geweckt.  Das Gefühl, das ich daraus ziehe, vermischt sich wunderbar mit dem Zwischenbericht meiner Agentur nach den ersten Verlagskontakten auf der Buchmesse.

    Und so sitze ich da und lächele. Die nächsten Monate werden spannend.

    Vorfreude in Zeiten der Ruhelosigkeit

    Samstag, September 20th, 2014

    Anstrengende, intensive Tage liegen hinter mir. Ich stromerte durch Redaktionen und Gassen, verdiente Geld. Ich wanderte durch Vorarlberg und Berlin, tankte Eindrücke. Anstrengende, intensive Tage liegen vor mir. Die Sommerferien sind rum, die Urlaubsvertretungen nicht. Und dann noch: Seminar auf Malta, Seminar auf der Buchmesse Frankfurt.

    Anstrengende, intensive Tage haben einen Lohn und einen Preis. Der Lohn ist die Lust am Leben, die du spürst, wenn du morgens um 4.20 Uhr zu einer Sonnenaufgangswanderung aufbrichst, rund 800 Höhenmeter vor dir. Oder wenn du Menschen interviewst wie Duncan Smith, Rockstar-Galerist aus Stuttgart, faszinierende Typen, die etwas zu erzählen haben.

    Der Preis ist die Erschöpfung – und zeitweise das Gefühl, dass alles zu viel wird, dass man gar nicht mehr in der Lage ist, die gesammelten Erfahrungen zu verarbeiten, sie einzuordnen. Ich will mir bald die Zeit dafür nehmen, das nachzuholen. Die anstrengenden, intensiven Tage, sie enden am 19. Oktober. Und sie enden mit einem großen Finale.

    Skript

    Es war im März, da kam Nicolai Köppel auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht beim von ihm organisierten 7. Ludwigsburger Literaturfest dabei sein wolle. Ich könne ja aus meinem aktuellen Roman lesen, wenn ich möchte – unabhängig davon, ob der bis dahin einer Veröffentlichung schon einen Schritt näher gekommen ist oder nicht.

    Wer diesen Blog hier näher verfolgt, weiß: das ist er bekanntlich. Und ich hoffe auf weitere in den kommenden Wochen. Aber das ließ sich damals im März noch nicht absehen. Und dennoch: Es hat keine Viertelstunde gebraucht, bis ich ihm zugesagt habe. Seitdem schwebt diese Lesung durch meinen Kopf.

    Je näher sie kommt, desto größer wird die Vorfreude. In den vergangenen Wochen habe ich den Roman nochmals überarbeitet – ja, auch das gehörte zu den anstrengenden, intensiven Tagen. Nun brenne ich darauf, Reaktionen zu erleben, zu hören, in den Gesichtern der Zuhörer abzulesen.

    In diesem Sinne: Wir sehen uns am Sonntag, 19. Oktober, um 13 Uhr im Foyer des Kulturzentrums Ludwigsburg.

     

    Sonnenbaden mit Geheimnis

    Samstag, Juli 12th, 2014

    Der Schweiß stand mir auf der Stirn, als ich um 19.48 Uhr die Stufen der U-Bahn-Station hinauf auf die Königstraße spurtete. Ich hatte mich mit meinem letzten Interviewpartner vor dem Urlaub verquatscht, brauchte aber dringend eine Sonnenbrille. Zwölf Minuten blieben. Ich rannte. Und der Straßenmusiker spielte Adriano Celentanos „Azzurro“.

    Gut 24 Stunden später saß ich in der Trattoria einer römischen Seitengasse und bestellte eine Penne all’arrabbiata zur Stärkung für die bevorstehende Autofahrt nach Osten, in die Abruzzen, in Richtung Meer. Und als alle Anspannung der vorangegangenen Wochen von mir abfiel, schlüpfte ein anderer Ohrwurm in meinen Gehörgang.

    KONICA MINOLTA DIGITAL CAMERA

    Weil ich mal wieder etwas Geld hatte verdienen müssen, waren der Mai und der Juni anstrengende Monate gewesen. Denn Geld verdienen artet überraschenderweise meistens in Arbeit und Zeit aus, die dann mit der restlichen Arbeit und Zeit in den Ring steigt, jene mich ständig begleitende (noch) unbezahlte.

    Kurzum: Ich war reif für eine Pause. Ich musste zurück nach Italien, ich musste an den Strand, wo Störfaktoren höchstens in Form etwas zu lebendig quakender Einheimischer existieren, oder in der Sorge, nicht zu wissen, wie man die Massen an Mahlzeiten je wieder wird abtrainieren können.

    Die süßen Tage des Müßiggangs zu genießen fiel mir leicht, denn ich nahm ein Geheimnis mit an die Adria. Kurz vor dem Abflug hatte ich Verhandlungen abgeschlossen, kurz nach meiner Rückkehr setzte ich die Unterschrift über einen Vertrag mit der Arrowsmith Agency aus Hamburg.

    Frisch, unverbraucht und unkonventionell wirken die Literaturagentinnen von Arrowsmith auf mich, engagiert und professionell sowieso. Ich wähne mein Baby, den aktuellen Roman mit dem Arbeitstitel Pillen für die Monster, auf der Suche nach einem Verlag bei ihnen in guten Händen.

    Inzwischen bin ich zurück, die Arbeit geht weiter. Der letzte Schritt vor den nächsten Schritten: ein paar Feinkorrekturen.

    Bevor es beginnt

    Sonntag, Februar 9th, 2014

    Mein Kopf ist ein Gefängnis. Er hat Gedanken eingeschlossen. Ich schäme mich nicht zuzugeben, dass in meinem Kopf gefoltert wird. Weil manche Gedanken sich mir verweigern. Ihr Geheimnis nicht beichten wollen. Speziell jene, die im Zusammenhang mit meinem aktuellen Roman stehen. Ich wusste, er ist längst nicht perfekt. Ich wusste nicht warum.

    Und weil die Betriebsblindheit eine mächtige Gesellin ist, ich aber vollstes Vertrauen in die Versiertheit meiner Testleser hegte, saß ich in den vergangenen Wochen wie auf heißen Kohlen. Weil ich mir Klarheit wünschte. Und weil ich endlich diesen letzten Überarbeitungsdurchgang starten wollte, der den Roman der Perfektion ein bisschen näher bringen soll.

    Am Montag wird es soweit sein. Von Montag an werde ich mich eingraben, werde Verbindungen zur Außenwelt kappen, temporär zumindest, werde dem Prolog den Kampf ansagen und allem was danach kommt. Und um vorher meinen Geist zu besänftigen, ging ich ins Mineralbad und in die Sauna.

    Leuze

    Beim Spazieren durch die Dunkelheit einer zwar nicht von Kälte, wohl aber von Nässe leergefegten Bad Cannstatter Saunalandschaft hoffte ich letzte Klarheiten zu finden. Denn die Testleser äußerten sich zwar überraschend einhellig, ihre Hinweise waren hilfreich, die letzten Entscheidungen aber muss ich treffen, die letzten Puzzleteile ich zusammensetzen.

    Es ist die etwas eigenwillige Struktur meiner Geschichte, die Gedankenakrobatik (Gefängnissport!) von mir verlangte. Und wo, dachte ich mir, wenn nicht beim Schwitzen und beim Entspannen könnte ich die letzten Bremsen besser lösen? In der Küche stehen Bananen, Multivitaminsaft-Flaschen, eine Dose Nüsse und eine Packung Haribo-Schnuller.

    Es kann beginnen. Morgen dann.

    Foto: CC BY-NC-ND 2.0 Stefan Baudy / Leuze

    Was vom Jahre übrig bleibt (2013 Ed.)

    Montag, Dezember 30th, 2013

    „Dein Buch ist gut, vielleicht sehr gut“, schreibt die erste Testleserin und führt in zwei tief gehenden E-Mails auf, was sie an meinem aktuellen Roman gefesselt und beschäftigt hat, welche Fragen er für sie aufwirft, aber auch, wo sie Nacharbeitungsbedarf sieht. Ihr Fazit streichelt meine Seele, ihre Hinweise motivieren mich.

    Sie ist nur die erste von sieben, auf deren Meinungen ich warte, mit einer Mischung aus Vorfreude, Ungeduld und Furcht. Dieser Roman, der ein Jahresprojekt war, wird mich ins neue Jahr begleiten, weil ich mir dessen bewusst bin, dass ich ihn noch einmal werde überarbeiten müssen, bevor er in die Welt geht, auf die Suche.

    Insofern bilden diese Tage – oder dieser eine, der morgen, der ganz plötzlich gekommen ist – anders als 2012 keinen richtigen Abschluss, keinen Schnitt, sondern höchstens einen sanften Übergang. Vieles, was ich in diesem Jahr angegangen bin, ließ sich nicht realisieren. 2014 wird es neue Anläufe geben, neue Herausforderungen.

    Zu scheitern aber war schon immer ein Teil des Weges. Ist es bei jedem Schriftsteller, der mit etwas Glück und viel Können irgendwann aus der Versenkung steigt. Ich baue nicht darauf, dass das bei mir 2014 der Fall sein wird. Das Geschäft verlangt Sitzfleisch. Schön wäre ein Silberstreif, aber auch ohne: ich schreibe weiter.

    Etwa an der zur Veröffentlichung vorgesehenen Erzählung, das zweite Projekt, das mich ins neue Jahr begleitet. Auch diese Kurzgeschichte verlangt noch ein paar Gedanken, einige Feinschnitte, einen konzentrierten Schliff. Ich habe die erste Januarwoche dafür ins Auge gefasst.

    Insofern: auf ein Neues!