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  • Posts Tagged ‘Scheitern’

    Der Anstieg und die Leere

    Donnerstag, April 20th, 2017

    Einst führten alle Wege nach Rom. In meine Wohnung führen immerhin zwei, abhängig davon, welche Straßenbahnhaltestelle ich zum Aussteigen wähle. Da ist der Weg durch Garten und Hintertüre. Und da ist der zweite, etwas längere, beständig aufsteigende. In den vergangenen Wochen habe ich stets ihn gewählt. Denn er führt direkt zum Briefkasten.

    Ich stieg aus der Bahn aus und die Treppenstufen hinauf, die in meine Straße führen, an den Anfang des Anstiegs zum letzten Haus vor dem Wald, in dem ich hause. Und während ich einen Fuß vor den nächsten setzte, ratterten die Gedanken, was ich im Briefkasten finden und was es aus mir machen würde.

    Meist fand ich nur Leere.

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    Was vom Jahre übrig bleibt (Twentysixteen)

    Freitag, Dezember 30th, 2016

    Lissabon

    D. war zufällig in Lissabon – zum Saufen und zur Kultur auf hohem Niveau, wie er schrieb. Für den Samstag waren wir verabredet, also bestieg ich in meinem Schreibexil einen Bus. Die Fähre brachte mich zum Cais do Sodré, von wo aus ich an den Praça do Comércio spazierte und mich ans Wasser setzte.

    Im Schein von Portugals kraftstrotzender Herbstsonne lauschte ich eine Weile den Wellen und einer Straßenband von den Kapverden, die den Sound der Ferne spielte. Und weil ich D. telefonisch nicht erreichte – der erholte sich gerade noch vom hohen Niveau des Vortages – stapfte ich los. Ohne Ziel.

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    Vom Feiern und Gefeiert werden

    Sonntag, Januar 31st, 2016

    Die Sonne strahlte über dem Watzmann, man sah ihn gut vom Wintergarten aus. Neben mir saß meine Interviewpartnerin, vor 40 Jahren dreifache Goldmedaillengewinnerin bei den ersten Winter-Paralympics. Und im Wohnzimmer hinter uns gewann Angelique Kerber die Australian Open.

    Gut, zugegeben, es war nur die Zusammenfassung, die ich aus den Lautsprecherboxen des Fernsehers hörte. Kerber hatte ihren ersten Grand-Slam-Titel schon eine Stunde zuvor geholt. Aber das ist ein Detail, unwesentlich für diese Geschichte. Wesentlich war: Kerber hatte gewonnen. Kerber hatte alle Zweifler besiegt.

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    Was vom Jahre übrig bleibt (2013 Ed.)

    Montag, Dezember 30th, 2013

    „Dein Buch ist gut, vielleicht sehr gut“, schreibt die erste Testleserin und führt in zwei tief gehenden E-Mails auf, was sie an meinem aktuellen Roman gefesselt und beschäftigt hat, welche Fragen er für sie aufwirft, aber auch, wo sie Nacharbeitungsbedarf sieht. Ihr Fazit streichelt meine Seele, ihre Hinweise motivieren mich.

    Sie ist nur die erste von sieben, auf deren Meinungen ich warte, mit einer Mischung aus Vorfreude, Ungeduld und Furcht. Dieser Roman, der ein Jahresprojekt war, wird mich ins neue Jahr begleiten, weil ich mir dessen bewusst bin, dass ich ihn noch einmal werde überarbeiten müssen, bevor er in die Welt geht, auf die Suche.

    Insofern bilden diese Tage – oder dieser eine, der morgen, der ganz plötzlich gekommen ist – anders als 2012 keinen richtigen Abschluss, keinen Schnitt, sondern höchstens einen sanften Übergang. Vieles, was ich in diesem Jahr angegangen bin, ließ sich nicht realisieren. 2014 wird es neue Anläufe geben, neue Herausforderungen.

    Zu scheitern aber war schon immer ein Teil des Weges. Ist es bei jedem Schriftsteller, der mit etwas Glück und viel Können irgendwann aus der Versenkung steigt. Ich baue nicht darauf, dass das bei mir 2014 der Fall sein wird. Das Geschäft verlangt Sitzfleisch. Schön wäre ein Silberstreif, aber auch ohne: ich schreibe weiter.

    Etwa an der zur Veröffentlichung vorgesehenen Erzählung, das zweite Projekt, das mich ins neue Jahr begleitet. Auch diese Kurzgeschichte verlangt noch ein paar Gedanken, einige Feinschnitte, einen konzentrierten Schliff. Ich habe die erste Januarwoche dafür ins Auge gefasst.

    Insofern: auf ein Neues!

    Eine Geschichte vom Scheitern

    Sonntag, Juli 17th, 2011

    Irgendwann, irgendwo in diesen vergangenen Monaten habe ich einen Kollegen sagen hören, den Journalisten zeichne aus, am nächsten Morgen zu hadern, weil der eben erschienene, gestern geschriebene Artikel besser hätte werden können.

    Und irgendwann, irgendwo während einer Autofahrt vor einigen Jahren hörte ich im Radio einen erfolgreichen Schriftsteller erzählen, er frage sich immer wieder, ob überhaupt irgendjemand das lesen wolle, was er gerade verfasse.

    Diese Zweifel gehören wohl zur Natur des Kreativen. Und doch fällt es mir schwer damit umzugehen, dass ich beim Traumwandeln auf dem schmalen rutschigen Steg in Richtung des publizistischen Ziels permanent Gefahr laufe, in den Matsch zu fallen.

    Immer, wenn ich mal wieder nicht zu den zwei Prozent gehöre, die es bei einem Wettbewerb in die engere Auswahl geschafft haben, denke ich an D. Oder wenn ich potentielle Agenten kontaktiere und auf die erste grundsätzliche Anfrage schon von mehr als der Hälfte nicht einmal eine Antwort erhalte.

    Wie überlastet, wie überlaufen, wie satt, wie mutlos, wie desillusioniert muss die Branche sein, dass sie eine solche Menge an Gescheiterten und Hadernden produziert?

    Ja und dann denke ich an D. und seinen Rat, bei Dingen zu bleiben, die ich gut kann. Er hat schon immer versucht, mich in eine Realität zu holen – und hier steht ganz bewusst nicht zurück zu holen -, der ich mich beharrlich verweigert habe. Andererseits: auch er ist daran noch immer gescheitert. . .