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    Was vom Jahre übrig bleibt (2017)

    Samstag, Dezember 30th, 2017

    Oberhalb des Circus Maximus in Rom

    Keine Frage, unbedingt! Den Giardino degli Aranci, den Orangengarten also, müsse ich mir anschauen, sagte meine römische Herbergsmama Laura und schickte mich hinaus in die Stadt. Mein Bus war voll und brauchte lange, aber irgendwann erreichte er sein Ziel.

    Sein Ziel war freilich nicht mein Ziel. Ich musste noch eine Weile laufen, bevor ich den Aventin erklommen hatte. Oberhalb des Circus Maximus hielt ich kurz inne und erfreute mich am makellos blauen Oktoberhimmel, dann schritt ich weiter voran. Vor dem Stillstand steht die Bewegung.

    (mehr …)

    Vom Reisen und Schreiben

    Samstag, Januar 28th, 2017

    Cabo

    Es ist ein Geschenk, sich mehrere Monate Zeit nehmen zu können, um fern der gewohnten Umgebung an einem Roman zu arbeiten. Man muss sich nichts vormachen: Es ist Arbeit. Es ist verdammt viel Arbeit. Sie verlangt Sitzfleisch und eine Fechtausbildung gegen Zweifel und Schreibblockaden. (…) Doch diese Arbeit ist getränkt mit Freiheit.

    Ich habe für den wundervollen Reiseblog Today We Travel einen Gastbeitrag über Monate in Lissabon und auf Sizilien verfasst. Zu lesen gibt es ihn HIER.

    Die Chronik des Tom

    Montag, November 12th, 2012

    30. April 2011 – Borussia Dortmund wird vorzeitig deutscher Fußballmeister, bei „Wetten dass . . .?“ scheitert ein Mann daran, Reifen mit seiner Zunge zu erkennen und ich schreibe die ersten beiden Seiten von Das Leben mit Tom.

    30. September 2011 – In Stuttgart geht der Monat sonnig vorüber, Baden-Württembergs Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus bestreitet Aktenmanipulationen im Zusammenhang mit dem Kauf von EnBW-Anteilen durch das Land und die erste Version des ersten Kapitels von Das Leben mit Tom gewinnt den Wettbewerb You want to read in Frankfurt.

    15. Februar 2011 – Die Räumung des Protestcamps gegen Stuttgart 21 verläuft friedlich, der Cornflakes-Riese Kellogg verleibt sich Pringles-Chips ein und ich bekomme für das erste Kapitel von Das Leben mit Tom ein Stipendium des Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg.

    3. April 2012 – Die Piratenpartei erreicht bei einer Forsa-Umfrage zwölf Prozent im Bund, Google stellt 30.000 Kunstwerke frei zugänglich ins Internet und ich schreibe zum ersten Mal den letzten Satz von Das Leben mit Tom.

    15. Juli 2012 – Astronomen fiebern einer Jupiterbedeckung entgegen, London diskutiert über ein vorzeitig abgebrochenes Konzert von Bruce Springsteen und Paul McCartney im Hyde Park und ich – zurückgekehrt aus Palermo – beginne mit der Komplettüberarbeitung von Das Leben mit Tom.

    Tage und Ereignisse fliegen vorbei wie Felix Baumgartner. Manchmal sollte man sich die Zeit nehmen, sie zu würdigen. Also drücke ich jetzt auf Senden, verschicke Manuskripte und Exposés an Verlage und Agenten und freue mich, etwas Denkwürdiges abgeschlossen zu haben.

    Die nächsten Tage und Ereignisse kommen früh genug.

    Das Ich in der Fiktion

    Dienstag, Mai 22nd, 2012

    Das Leben mit Tom ist ein sehr persönlicher Roman, weil sein Ausgangspunkt eine an eigener Leib und Seele durchlebte Krankheitsgeschichte ist. Und auch wenn er letztlich ein Roman bleibt, eine Fiktion, ist die autobiografische Komponente nicht zu leugnen. Das versuche ich erst gar nicht.

    Zum Start der neuen Online-Literaturzeitschrift Kultextur hat mich Malte Klingenhäger zu „Wirkungen, Phänomenen und Verheißungen des autobiographischen Schreibens“ interviewt. Ein Auszug:

    Kultextur: Nimmt man als Autor in einer solchen Situation aus einem solchen Projekt mehr für sich selbst mit, als aus einem vollkommen fiktiven Text?

    Bensch: Vielleicht nicht unbedingt mehr, eher etwas anderes. Schreiben ist in meinen Augen grundsätzlich eine Auseinandersetzung mit dem Selbst. In jeder Geschichte steckt ein Teil des Autors. Wo sollen die Empfindungen, die er transportieren möchte, auch anders herkommen als durch Beobachtungen seiner unmittelbaren Umgebung? Aus fiktiven Texten, die beim Schreiben ein Eigenleben entwickeln, kann der Autor einiges über sich selbst lernen, wenn er sie mit etwas Abstand wieder anschaut. Bei Geschichten mit autobiografischem Hintergrund ist es eher eine bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, ein Versuch des Wiederbewusstwerdens und Hinterfragens alter Gedanken.

    Das komplette Interview ist hier nachzulesen.

    Das letzte Kapitel

    Sonntag, April 1st, 2012

    „Fa caldo“, sagte N. – ganz schön heiß da draußen. Ich schaute zum Fenster raus, sah nur die bekannten Wohnhausmauern, zuckte mit den Schultern. Wir trafen uns um 16.30 Uhr für eine kleine Tour – und als ich zur Wohnungstür heraustrat wusste ich, was er gemeint hatte.

    Als ich am 1. März nach Palermo flog, hatte ich mir in den Kopf gesetzt, zunächst und vor allem meinen Roman zu schreiben, in Ruhe und in Freiheit. Im Schnitt drei Seiten täglich, 21 in der Woche, das war mein Ziel. Viereinhalb Wochen und 180 Seiten später – im Schnitt fast doppelt so viel wie geplant – stehe ich vor dem letzten Kapitel.

    Ich hätte im März mehr rausgehen können, mehr Menschen kennenlernen, mehr Orte bereisen, mehr Italienisch sprechen, mehr Beobachten und Lernen. Ich habe hauptsächlich gearbeitet, mir immer wieder einen Schuss Inspiration geholt, wenn ich sie gebraucht habe. Ich wollte erst schreiben, den Rückenwind nutzen. Und wenn ich dazu die meiste Zeit in einem abgedunkelten Hinterhofzimmerchen verbringen musste.

    Spätestens Ende nächster Woche vollziehe ich den Perspektivenwechsel. Das Leben mit Tom ist natürlich noch längst nicht beendet – nur der erste Entwurf steht vor dem Abschluss. Es muss noch viel gefeilt, viel geschliffen werden. Aber das hat Zeit. Das braucht Abstand.

    Ich biege bei meinem Schreibmarathon auf die Zielgerade ein. Und freue mich auf kühle Getränke dahinter. Fa caldo.