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    Die unerwartete Sehnsucht

    Dienstag, Mai 31st, 2016

    Bastion

    Petrus bereitete einen frostigen Empfang, doch dem Sommernachtstraum war’s egal. In Halle 1 des Stuttgarter Theaterhauses wehte kein eisiger Wind, da ließ es sich entfalten. Das tat er, der Traum, dank Radio-Sinfonieorchester des SWR, dank Puck Till Schneidenbach – und dank Tobias Gralke, einem Meister des gesprochenen Worts.

    Gralke kannte ich von Poetry Slams, Shakespeare ist immer reizvoll, also zog ich hin auf die Höhen der Stadt, um zu lauschen und zu lächeln. Die Ouvertüre aus Mendelssohns Sommernachtstraum ließ mein Herz hüpfen, wie es gewiss nur klassische Musik vermag. Dann brachte Gralke Steine ins Rollen.

    Seine Performance hat Spaß gemacht. Poetisch und akzentuiert war das Gesprochene, gewürzt mit eigenen Versen, die sich frech mit Tarnkappe einschlichen und zwischen ihren mehr als 400 Jahre älteren Brüdern und Schwestern tanzten. Und die ein, zwei kleinen Stolperer machten das Ganze nur sympathischer. Perfektion ist öde.

    Vor einigen Jahren versuchte ich mich selbst als Poetry-Slammer, der Screenshot oben dokumentiert mein Debüt in der Kirchheimer Bastion vor fünf Jahren. Ich wollte mich daran versuchen, obwohl ich wusste, dass meine Stärken im Niederschreiben, nicht im Hinausposaunen liegen. Das Ergebnis war erwartungsgemäß.

    Viele Schriftsteller kennen das. Zum Präsentieren, zum Vortragen, haben sie ein zerrüttetes Verhältnis. Zum Performer geboren sah auch ich mich nie. Und dennoch: an jenem Abend kürzlich im Theaterhaus, an dem mich der Sommernachtstraum berührte, entdeckte ich Unerwartetes in mir. Ich entdeckte die Lust, Gralke nachzueifern.

    Vor sechs Wochen brachte das andere Ich mit Chris Ignatzi ein Büchlein um kotzende Milben, kackstuhlschenkende Ehemänner und viele weitere kleine Geschichten rund um verblüffende deutsche Museen heraus. Zweimal haben wir daraus schon gelesen, Vorstellung Nummer drei folgt kommenden Samstag.

    Und ich stelle fest: Ich freue mich darauf. Die Menschen sollen Spaß haben. Ich feile an meiner Performance. Vielleicht werden die Bühne und ich doch noch so was wie Freunde.