• Home
  • Blog
  • Texte
  • Reaktionen
  • Über mich
  • Impressum
  • Datenschutz

  • Posts Tagged ‘Sizilien’

    Vom Reisen und Schreiben

    Samstag, Januar 28th, 2017

    Cabo

    Es ist ein Geschenk, sich mehrere Monate Zeit nehmen zu können, um fern der gewohnten Umgebung an einem Roman zu arbeiten. Man muss sich nichts vormachen: Es ist Arbeit. Es ist verdammt viel Arbeit. Sie verlangt Sitzfleisch und eine Fechtausbildung gegen Zweifel und Schreibblockaden. (…) Doch diese Arbeit ist getränkt mit Freiheit.

    Ich habe für den wundervollen Reiseblog Today We Travel einen Gastbeitrag über Monate in Lissabon und auf Sizilien verfasst. Zu lesen gibt es ihn HIER.

    Das Staunen der Lärmgeplagten

    Sonntag, Juni 17th, 2012

    Seitdem ich mit dem Schreiben aufgehört und dem Entspannen angefangen habe, stand ein Besuch in Erice auf der Liste der Dinge, die ich in Sizilien vor meinem Abflug noch tun wollte. In Reiseführen wird das Bergidyll hoch über den Dächern von Trapani mit der autofreien Altstadt angepriesen. Zurecht.

    Wenn ich in den vergangenen Wochen Sizilianern erzählt habe, dass ich nach Palermo gekommen bin, weil ich Ruhe zum Schreiben gesucht habe, erntete ich heftige Reaktionen: meistens kräftige Lachanfälle und Blicke, in denen Zweifel an meinem Verstand oder meiner Sprachkompetenz steckten.

    Die Ex-Kollegin A., die in ihrem Urlaub die Insel kennengelernt hat, schrieb mir vor einigen Tagen, auch ihr habe Palermo gut gefallen. Aber zum Entspannen sei die Stadt ungeeignet. Das stimmt zu einem großen Teil, weil Palermo ein schnaubendes Monstrum ist, dem man sich mit Mühe entziehen muss.

    Orte, an denen das gelingt, gibt es durchaus. Leichter fällt es einem aber tatsächlich in Trapani oder eben in Erice. Als ich mit N. die Serpentinen hinauffuhr und das Auto abstellte, fiel dem Gefährten, der seit 15 Jahren in Palermo lebt, als Erstes eines auf: „Wahnsinn, wie still das hier ist.“

    Möglicherweise hatten wir Glück mit dem Tag oder der Uhrzeit, aber auf dem Weg zum Schloss und in den Parkanlagen Giardini del Balio waren wir nahezu auf uns allein gestellt. Das Meer von oben zu sehen, gibt einem so viel, vor allem aber das Gefühl völliger Freiheit.

    Hinterher konnte am positiven Gesamteindruck nicht einmal die verstörende Tatsache rütteln, dass sie die Gassen der Altstadt mit den Klängen von Fratelli d’Italia oder Yann Thiersens J’y suis jamais allé beschallen.

    James Franco und die Gassenhauer

    Donnerstag, Mai 31st, 2012

    Im Schatten des Amphitheaters von Taormina gibt es einen Ort, an dem bleibt die Zeit stehen. Solange jedenfalls, bis die asiatische Reisegruppe kommt und vor lauter Begeisterung die Kameras zückt. Aber damit muss man leben. Soziopathen haben in diesem Städtchen nichts verloren.

    Es bietet sich an, früh aufzustehen, um ihnen zu entgehen: den Menschen mit Käseknien und Nummernaufklebern – damit auch jeder sieht, ob sie dem Führer mit der Nummer 18 oder 37 folgen. Sie machen die Straße der Sehenswürdigkeiten, den Corso Umberto I, zum Unort. Sie und die Gassenhauer, die aus jedem zweiten Geschäft rauschen. Überall anders wäre die Musik romantisch, hier wirkt sie aufgesetzt.

    Trotzdem hat Taormina und Umgebung viel zu bieten. Vor allem wenn man bereit ist, sich zu bewegen. Der Fußmarsch ins Bergdorf Castelmola ist zwar ein Höllenritt, entschädigt aber mit besten Aussichten. Die weiß man zu schätzen, wenn das T-Shirt nassgeschwitzt von der eigenen Anstrengung ist.

    Und dann sind da noch die Gole Alcantara. In den Schluchten darf man sich ein wenig fühlen wie in einem Film von Danny Boyle, irgendwo zwischen The Beach und 127 Hours.

    Mehrmals am Tag fährt ein Linienbus in den Nationalpark. Bei den öffentlichen Verkehrsmitteln gilt, was überall auf dieser Insel gilt. Der Bus kommt, wenn er kommt, auch mal zehn Minuten zu früh. Und er hält, wenn man ihn anhält.