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    Käse – Glocken – Spiele

    Montag, Juli 8th, 2013

    Die Parteien scharren schon mal mit den Hufen. Sie schnauben noch gedämpft. Aber das wird sich ändern. Am 19. Juli beginnt die Tarifrunde für Journalisten bei Tageszeitungen. Es wird zum Streik kommen, da muss man kein Prophet sein. Und es wird mindestens so bitter werden wie vor zwei Jahren. Und das war schon bitter genug.

    Viel ließe sich jetzt schreiben über den Verlegerverband und das Schimpfwort Qualitätsmedien, über Arbeitsbedingungen gerade von Freien, über Innovationsschwächen fachblinder Gewinnmaximierer, über Wertschätzungslegastheniker und Stimmungstäler. Aber ich will darüber nicht schreiben. Es würde mich nur wütend machen.

    Journalisten müssten die Realität akzeptieren – die Forderung hört man von Verlegerseite immer wieder. Ich schaffe mir fürs Erste lieber wieder eigene Realitäten. Am 19. Juli bin ich in Maribor, meine Eurotour fortsetzen. Vergangenes Wochenende führte die mich schon halb geschäftlich und halb privat nach Savognin und Zürich. Es war erfrischend.

    Das Timing für diese Reisen nach mehrwöchiger Arbeit im Brotjob könnte kaum besser sein. Die Käseglocke, unter die ich mich zu verkriechen gedenke, wird mich abschirmen von all den miesen Vibes, die durch die deutsche Tageszeitungslandschaft flattern. Unter meiner Glocke ist es still, unter ihr gehört mein Streben dem neuen Roman. Ich habe die Arbeit vermisst.

    Und vor allem: ich will die Erstfassung abschließen, diesen Sommer noch, im Idealfall innerhalb der nächsten sechs Wochen. Auch dabei besteht die Gefahr eines Stimmungstiefs, die Gefahr, sich zu verbeißen, temporär an Grenzen zu stoßen. Aber wenigstens sind das dann keine fremdverschuldeten und von außen auferlegten.

    Abschied von den Abgründen

    Donnerstag, August 18th, 2011

    Ich erinnere mich, dass die Sonne schien – ganz kurz nur, bevor es wieder regnete. Vor genau einem Monat war das, am 18. Juli. Und im Vereinsheim des SV Hoffeld, durch das ein lauer Wind des Widerstands wehte, bauten sie die Urnen auf. Urabstimmung. Unbefristeter Streik. 98,5 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von mehr als 80 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder waren dafür.

    Endlich eine entsprechende Antwort auf die Unverschämtheiten, mit denen die Verleger ein Jahr lang drohten. Ein Viertel weniger Gehalt für zukünftige Redakteure, fünf Prozent für bestehende. „Wer bei solchen Forderungen nicht auf die Straße geht, wird den aufrechten Gang nie lernen“, hat ein Vertreter der Gewerkschaft Verdi dazu gesagt.

    Die Journalisten, allen voran wir Stuttgarter, waren aufrecht. Wir waren kreativ und kämpferisch, wir waren wütend und wagemutig. Und nach 26 Tagen außerhalb der Redaktionen, zusätzlich zu den neun, die wir vorher schon draußen waren, ist es seit heute Morgen vorbei. Zurück bleibt die Erleichterung – und eine Erkenntnis.

    In diesen vergangenen viereinhalb Wochen steckte ich – und längst nicht nur ich – bis zum Hals in der dampfenden Brühe der Streikdepression. Ununterbrochen am Handeln und doch zum Zusehen verdammt zu sein, führte mich an den Rand eines Abgrunds, der Rausch der lebendigen Aktionen wich nach Verlassen der Straße stets einem Kater.

    Wer dem Journalisten das Interviewen, das Recherchieren, das Schreiben verwehrt, der klaut ihm seine Kuscheldecke. Wir haben uns selbst Enthaltsamkeit auferlegt, weil wir es mussten. Weil uns die Verleger, einer unserer führenden Betriebsräte nannte sie „bösartig“, dazu gezwungen haben. Doch selbst Marc Bensch zu sein fehlte mir die Kraft, die Muse, die innere Freiheit.

    Das ist vorbei. Ich arbeite wieder. Und ich bin wieder Marc Bensch. Die Bewerbung für ein Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg ist schon abgegeben. Und es bleiben knappe zwei Wochen für die erste, weitere zwei Wochen für die zweite und erneut zwei Wochen für die dritte Kurzgeschichte, die ich zu schreiben gedenke, um sie bei Wettbewerben einzureichen.

    Der Streik ist vorbei. Es war an der Zeit.