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    Die inneren Werte des Bücherknasts

    Samstag, Januar 21st, 2012

    Ortsfremde sind nicht selten entsetzt. Und wie bei allem, das direkt oder indirekt mit dem Bahnprojekt Stuttgart 21 zusammenhängt, wurde und wird viel diskutiert über dieses Gebäude, das die neue Stadtbibliothek beherbergt, und das viele klotzig, grau und hässlich finden.

    Der koreanische Architekt Eun Young Yi hat diese Kritik immer weggelächelt und die Büchereileiterin Ingrid Bussmann leidenschaftlich darum geworben, dem Haus eine Chance zu geben. Inzwischen haben sich die Gemüter ein wenig beruhigt und die Sympathiewerte der Stadtbibliothek sind etwas gestiegen – dank des inneren Eindrucks.

     

    Ich hatte fest vor, mich vor meinem Abflug nach Palermo häufiger in der Bibliothek aufzuhalten um mich in diesem athmosphärischen Innern des Würfels treiben zu lassen. Jetzt ist das neue Jahr drei Wochen alt und ich war erst einmal dort – zu Dreharbeiten für den Videoblog.

    Zumindest ein weiteres Mal werde ich zurückkommen. Am Montag, 13. Februar, 19.30 Uhr, zur gemeinsamen Lesung mit Alexander Tuschinski und Ingeborg Wenger. Die ist zwar im Untergeschoss, aber die Treppen und Aufzüge im Haus führen ja zum Glück in beide Richtungen.

    Liebling, ich habe das Publikum geschrumpft

    Sonntag, November 20th, 2011

    Dies ist eine Geschichte, die sich um die Begriffe Stuttgart 21 und Rheinfall (mit h!) dreht, obwohl beide wenig miteinander zu tun haben. . .

    Sicherheitskräfte der Bahn bevölkerten meinen Bahnsteig. Ich nahm sie erst im zweiten Moment wahr. In dem Moment, in dem andere an mir vorbeiliefen, auf einem Marsch in Richtung erster Klasse. Ich erkannte Peter Hauk, den Fraktionschef der CDU im Landtag von Baden-Württemberg, obwohl er fast ein wenig unscheinbar wirkte. In Karlsruhe marschierten die Herren wieder aus dem Zug, empfangen von zünftiger Blasmusik. Ich hatte keine Zeit, mich ihnen oder ihrer Botschaft zu widmen. Ich musste meinen ICE nach Basel erwischen.

    24 Stunden später stieg ich in Zürich in einen Zug zurück nach Stuttgart und atmete internationale Luft. „Ici?“, fragte eine Französin ihren Mann. „Niccolo!“, sagte – im vorwurfsvollen Ton – eine Italienerin zu ihrem Mann. Hinter mir sprachen zwei Schweizer Damen ihre Art von Deutsch.

    Ich verbrachte die Zeit mit Lesen, doch zweimal schweifte mein Blick nach draußen. Beim ersten Mal sah ich in der Ferne einen steilen Hang und glaubte Kühe zu sehen, die dort grasten. Beim zweiten sah ich Wasser, in großen Mengen, beim Fallen. „Meine Damen und Herren, in Kürze erreichen wir Schaffhausen“, schallte es aus den Lautsprechern. Die wunderhübsche Asiatin auf der anderen Seite des Ganges wendete lächelnd ihren Blick ab und zog ihre Stiefel wieder an.

    Zwischen diesen Zugfahrten lag ein Besuch auf der BuchBasel und eine Veranstaltung der Jungen Verlagsmenschen (JVM), deren Autorenwettbewerb ich jüngst gewonnen habe. Eine kurze Lesung sollte es werden, anschließend eine Diskussion mit zwei jungen Schweizer Autorinnen. Die Moderatorin fragte mich, wie ich Inspiration finde. Sinngemäß habe ich geantwortet, das ließe sich nicht erzwingen, aber Inspiration käme automatisch durch Beobachtungen.

    Bemerkenswert war der Zuschauerzuspruch. Während ich las, hörten mir vielleicht ein Dutzend Menschen zu, inklusive der drei Frauen neben mir auf dem Podium, des Technikers und des JVM-Chefs. Die Messebetreiber hatten es verpasst, auf die Veranstaltung hinzuweisen.

    Berufsrisiko, dachte ich mir – und nahm es gelassen. Es haben schon ganz andere vor einer handvoll Zuhörern gelesen. Was bleibt ist die Erinnerung. Und ein Stück Inspiration. Nein, diese Reise war kein Reinfall.