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    Was vom Jahre übrig bleibt

    Freitag, Dezember 28th, 2012

    „Dies und das ist wirklich gut, aber . . .“, sagen sie. Und: „Gewöhnen Sie sich an Rückschläge. Sie werden noch einige erleben.“ Vergessen dabei nie zu betonen: „Verlieren Sie Ihren Glauben nicht. Seien Sie geduldig“. Man vernimmt die Worte, lässt sie zirkulieren, saugt das Mut machende auf, registriert aber vor allem eines: man steht mit leeren Händen da.

    Denkt man.

    Und dann denkt man genauer darüber nach. Fängt an zu vergleichen: das Bild der Entscheidungsträger mit dem eigenen. Erste Entwürfe mit den letzten. Die Erwartungen an ein Jahr voller genussvoller Momente selbstgewählter Isolation mit seinen Realitäten. Die verschiedenen Optionen fürs Heute, Morgen und Übermorgen miteinander.

    Man erkennt: sich als missverstandende Unentdeckung aufzuführen wäre purer Narzissmus, zu behaupten, alles sei umsonst gewesen, weinerliche Selbstverleugnung. Die Resultate, die man sich erhofft hat, werden – wahrscheinlich – noch eine kleine oder große Weile auf sich warten lassen. Aber das heißt nicht, dass sie nicht kommen werden.

    Das Schriftstellerleben ist wie das Leben selbst: ein ewiger Lernprozess, eine stetige Weiterentwicklung, eine erst mit dem Tod endende Neuerfindung. Das mag manchmal ermüdend sein oder niederschmetternd. Aber es ist auch herrlich spannend.

    Insofern: auf ein Neues!

    Mumien und Plappermäuler

    Mittwoch, Mai 9th, 2012

    In der Liste der Orte, die ich in Palermo unbedingt besuchen wollte, hatten Le Catacombe dei Cappuccini von Anfang an einen festen Platz. Es heißt, hinterher sehe man das Leben und den Tod mit einem anderen Blick, was passte, hatte ich doch erst jüngst Jürgen Domians Interview mit dem Tod gelesen.

    Um es vorwegzunehmen: mein Leben und mein Denken hat sich durch den Besuch nicht verändert. Aber vielleicht waren daran die Franzosen, Italiener, Holländer, Briten, Deutschen und Spanier schuld, die mit mir durch die sakralen Hallen tigerten.

    Warum ich mir bei den Nationalitäten so sicher bin? Weil die Menschen nicht zu schweigen wissen, einige nicht einmal zu flüstern. Auch oder erst recht nicht an einem Ort, an dem sie mit Hunderten von mumifizierten Toten konfrontiert sind.

    So ist es schwer, in den Gängen Ruhe zu finden. Mit etwas Glück verschallt das Geplapper in einer anderen Ecke. Dann kann man sie fokussiert bestaunen, die Körperhüllen, die Knochen und die Schädel, die Grimassen, die zurückblieben, als die Verstorbenen aus dem Leben schieden. Und auf dem Boden liest man auf rissigen Steinplatten letzte Botschaften.

    Geschrieben sind sie teils in Italienisch und teils in Latein. In dem Moment habe ich mich wieder geärgert, mich einst in der Schule für Französisch entschieden zu haben – in der Annahme, eine tote Sprache sei zu nichts nütze.

    Und dann spricht der Tod

    Freitag, April 20th, 2012

    Die anfängliche Skepsis habe ich mit dem Autor geteilt. Jürgen Domian hat ein Sachbuch geschrieben. Der Mann also, dessen Talkradio-Sendung seit 17 Jahren auch im WDR-Fernsehen läuft – eine Sendung, um die ich meist einen großen Bogen gemacht habe. Es ist nicht sein erstes Buch, aber diesmal hat er nach den Sternen gegriffen. Domian hat das ultimative Interview geführt, ein Interview mit dem Tod.

    Und ich fragte mich, wie er sich selbst, ob das funktionieren kann: Fragen zu stellen und selbst Antworten zu geben, die „dem größten Mysterium unserer Existenz gerecht werden“. Die Antwort darauf ist eigentlich unmöglich, aber mein subjektives Gefühl sagt mir: es kann. Oder vielleicht besser: es ist ein beachtenswerter Versuch geworden.

    Das liegt daran, dass Domian auf ein breites Fundament an philosophiehistorischem Wissen zurückgreifen vermag. Beim Lesen seines sehr persönlichen Buches ist zu spüren, wie viele Tage und Nächte er sich in all den Jahren den Kopf zerbrochen haben muss. Antwortsuchende sind mir grundsätzlich sympathisch. Domian hat – auch das kann nur eine subjektive Aussage sein – einige kluge Schlüsse gezogen.

    Und ich musste bei all der Ernsthaftigkeit des Themas schmunzeln, mehrfach gleich. Weil sich einiges, was ich bei Domian wiederentdeckte, mit Thesen eigener Werke deckt. Beispiel: seine Auseinandersetzung mit Religion und Atheismus und mein Tod des armen Teufels.

    Die Suche nach dem richtigen individuellen Lebensweg und die Trennung von Dingen, die zählen und denen, die es nicht tun, sind aus meinem Wandeln und Schaffen nicht wegzudenken. Mein durch zwei Tumoroperationen nicht unwesentlich autobiografisch geprägtes Roman-Manuskript Das Leben mit Tom ist ein einziger Versuch des Bewusstwerdens.

    Und dann verfolgt mich, gerade in dieser Stadt des Zerfalls und der Vitalität, nach wie vor permanent Wim Wenders – von dem ich mich gerne verfolgen lasse. Erst gestern habe ich mir Palermo Shooting erneut angeschaut, jenes filmisches Interview mit dem Tod. Ob Domian den Film wohl kennt?