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    Neun Minuten für die Ewigkeit

    Sonntag, März 27th, 2016

    Leipzig

    Die Nervosität versetzte mich. Ich nahm es ihr nicht übel. Ich hatte nicht auf sie gewartet, hatte sie nur erwartet. Doch als sie nicht aufkreuzte, stellte ich mich in die Reihe der Wartenden und blickte nach vorn. Wartete und blickte noch entschlossener nach vorn. In die Gesichter der Lektorinnen.

    Eigentlich bin ich schon vor diesem Trip zur Buchmesse nach Leipzig reif für die Hängematte gewesen, in der ich diese Ostern baumele. Doch diese Reise, diese Extraschicht zu verpassen, hätte ich mir nicht verziehen. In den Messehallen lauerten Gelegenheiten. Komprimiert auf neun Minuten.

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    Der Wind um meine Nase

    Freitag, Mai 15th, 2015

    Fehmarn

    Das Wetter wechselte alle fünf Minuten. Nur der Wind wehte permanent. Karg lag sie da, die Insel, die ich bereits 2012 beschrieben hatte, ohne sie zuvor gesehen zu haben: Fehmarn, weit weg von meinem gewohnten Aktionsradius, von Hamburg aber fix zu erreichen.

    In Hamburg strandet Sam, der Protagonist des work-in-progress-Romans. Und als er weiblichen Besuch bekommt, bricht er nach Fehmarn auf. Es ist Hochsommer und heiß, Inselwetter eben. Aktuell herrscht kein Inselwetter. Ich habe die Fehmarnsundbrücke trotzdem überquert. Ich war in der Nähe.

    Mein Ziel war es zu erforschen, ob die Dinge, die ich in der ersten Fassung von Tom geschrieben hatte und die die Überarbeitung überlebt haben, der ungefähren Wirklichkeit entsprechen – im stetigen schriftstellerischen Bestreben, das Fiktionale so realistisch wie möglich und nötig zu gestalten.

    So ließ ich mir den Wind um die Nase wehen. Doch mit dem Fehmarn-Ausflug war mein Trip noch lange nicht beendet. Ich saß auf der Marstallhalbinsel in Schwerin in der Sonne, tingelte durch mecklenburg-vorpommerische Dörfer und starrte um Mitternacht vom Park Fiction in Hamburg auf die Elbe.

    Und erst als ich zurück an der Heimatfront war, merkte ich, wie müde mich diese fünf Tage gemacht hatten, die sich wie zehn anfühlten. Müde, aber auch erfüllt. Weil es schon immer gut tat, die Enge meines Alltags zu verlassen.

    Das Tun und das Lassen

    Dienstag, April 28th, 2015

    „Und was tust du sonst so?“, fragte G. und irritierte mich. Hatte ich nicht eben erklärt, dass ich meinen Roman überarbeite, obendrein anfangs des Jahres zwei Agenturen gegründet hätte, die es aufzubauen gilt, in die ich viel Zeit zu investieren hätte, ohne viel Geld herauszubekommen, dass ich also parallel noch Geld zu verdienen hätte, außerhalb der Agenturen?

    Aber vor allem: Dass ich diesen Roman überarbeite!

    Es war Gründonnerstag und wir saßen in der Lieblingskneipe. Im Raucherraum qualmten die Menschen gedrängt, auch um uns herum nahm der Geräuschpegel  zu. Es war April, schweinekalt und eklig draußen, aber April, Frühling quasi. Die Menschen drängten ins Öffentliche, drängten zum Tun. „Puh, ähm, also“, begann ich zu stottern. „Sonst tue ich gerade wenig.“

    Das war natürlich ein Euphemismus. Denn was ich sonst so tat, war in erster Linie nichts. In den Wochen zuvor hatte ich mehrere Gründe gefunden, nicht ins Fitnessstudio zu gehen. Ich hatte viele Gründe gefunden, mich an mein Manuskript zu klammern, an den Satz-für-Satz-Durchgang, an die stete Selbstdisziplinierung, die verdammt viel Disziplin verlangte.

    Ich hatte sonst also wenig getan – doch ich fühlte mich ganz wunderbar dabei. Er sei gerade „etwas im Freizeitstress“, verriet G. Später sprachen wir über Entschleunigung und Hamsterräder. Ich angelte mir ein Stück Pizza und lächelte. Zuhause setzte ich mich wieder vor den Computerbildschirm.

    Wenn ich von hier, meinem Schreibtisch aus, zum Fenster hinausschaue, sehe ich den Kubus der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung, an dem jeden Tag um genau 23.59 Uhr die Lichter ausgehen.

    Ich habe diese Lichter in den vergangenen Wochen häufig ausgehen sehen, weil ich hier, an meinem Schreibtisch, saß und überarbeitete. Und überarbeitete. Und überarbeitete. 300 Seiten lang. Am Ende kämpfend – und doch zufrieden, ja fast glücklich.

    Nun, da ich fertig und durch bin, blicke ich zurück und nach vorn. Der Frühling ist inzwischen da, ich weiß es, ich habe ihn am Wochenende in Köln und Bonn gesehen, beim Tun für ein neues Projekt, einem für die Agentur Nummer eins. Ich habe ihn auch fotografiert, wie das folgende Foto zeigt.

    Der Frühling ist da, das Manuskript auf dem Weg zu Testlesern und Agentur. Es ist also Zeit, wieder mehr sonst so was zu tun. Ich muss unbedingt G. davon berichten.

    Das Orm und ich

    Dienstag, März 3rd, 2015

    Seine Fantasie ist beneidenswert, sein Blick auf den Literaturbetrieb hoch amüsant. Ich habe, auf dringende Empfehlung von Sportredakteur M., Walter Moers‘ Stadt der träumenden Bücher gelesen. So kam ich in Kontakt mit diesem Kunstwort, an das ich seitdem häufig denke: das Orm.

    Dieses Orm ist, wie vieles aus Moers‘ Welten, nicht einfach zu übersetzen, ohne Gefahr zu laufen, der Bedeutung nicht gerecht zu werden. Inspiration ist definitiv ein zu grober Hilfsbegriff. Wenn einen Schriftsteller das Orm befällt, ist das für ihn gleichermaßen Segen wie Fluch.

    Die Ideen, die ihn dann durchfluten, drängen nämlich aufs Papier. Sie müssen raus, andererseits droht der Kopf des Infizierten zu platzen. Man könnte es als Zustand des Wahns bezeichnen. Denn in seiner Rastlosigkeit verliert für den Schreibenden alles andere seine Bedeutung.

    Ich habe mich in den vergangenen Februar-Wochen zeitweise wie im Wahn gefühlt. Das alte Tom-Projekt, das eine radikale Überarbeitung, praktisch eine Neuerfindung, verlangte, nahm mich gefangen und ließ mich nicht mehr los – bis ich mich wegen anderer Verpflichtungen zum Lösen zwingen musste.

    Nun ist dieser Verpflichtung genüge getan und ich lehne mich für einen Moment zurück, wage mich vorsichtig wieder hinein ins Manuskript. Moers‘ Orm lässt einen so brillant schreiben wie niemals zuvor. Doch ich möchte nicht nachlesen, was ich geschaffen habe. Erst muss ich es zu Ende bringen.

    Ich kann also nicht sagen, ob ich ihm wirklich begegnet bin, dem Orm. Aber so oder so: Der Februar war eine Erfahrung.

    Feierabende? Eine Kopfsache

    Samstag, Januar 31st, 2015

    Die Zeit drängte, denn der Redaktionsschluss nahte und das Interview war noch nicht freigegeben. Also schrieb ich J. eine Nachricht. „Hast du meine Mail gesehen?“, fragte ich den Manager, dessen Schützling ich zuvor befragt hatte. „Melde mich gleich“, schrieb er, meldete sich, gab ein paar Änderungen durch, bedankte sich, sagte: „Und jetzt mach Feierabend.“

    Ich musste schlucken, ich musste lachen. „Noch nicht ganz“, presste ich hervor. „Noch lange nicht“ wäre die passendere Antwort gewesen. Ich schob mir schnell 15 Fischstäbchen in den Ofen, loggte mich in den Streaming-Dienst ein, machte Mittagspause gegen 19 Uhr. Zwei Sitcom-Folgen später flog der Teller in die Spüle – und ich zurück an die Arbeit.

    Mir ist aufgefallen: Menschen, die einen 9-to-5-Job haben, wobei die Uhrzeiten austauschbar sind – Menschen also, die feste Arbeitszeiten mit Anfängen und Enden gewohnt sind, fällt es schwer nachzuvollziehen, was ich eigentlich tue. An Tagen wie diesen, wenn ich nachts um 2 im Bett liege und runterzukommen versuche, verstehe ich es selbst nicht mehr genau.

    Mein Kopf ist ein Gemischtwarenladen, die Regale gefüllt mit zahllosen Gedanken. Unerledigtes treibt mich in den Wahnsinn. Dummerweise gibt es da immer Unerledigtes, erst recht, wenn man auf die Idee kommt, sein Brotjobsleben mal wieder völlig auf den Kopf zu stellen, in der vagen Hoffnung, irgendwann einmal mehr Zeit fürs literarische Arbeiten zu haben.

    Gestern Abend, nach dem redaktionellen Feierabend, setzte ich mich auf die Pressetribüne der Ludwigsburger Bundesliga-Basketballer, die im Herbst in dem Magazin gewürdigt werden sollen, dessen Inhalt ich verantworte. Es wurde dramatisch – auf dem Feld. Vor mir auf dem Tisch lag ein zerfledderter Block, den ich mit Plotideen für ein neues, altes Projekt bekritzelte.

    Dieses Projekt, für das zurzeit viel zu wenig Zeit bleibt, steckt in meinem Kopf und kratzt. „Entwickel mich“, flötet, wimmert, flüstert, brüllt es – je nach Stimmungslage. Es ist ein hartes Stück Arbeit, irgendwann tatsächlich Feierabend zu machen.