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    Guter Vorsatz – weiterentwickelt

    Montag, April 30th, 2018

    Der Hafen von Dubrovnik

    Ich dachte, ich wäre schlau. Wartete, bis es dunkel war und legte dann los. Schrieb bis um halb vier morgens. Schaffte neun Seiten und fast 1500 Wörter. Immer noch weit weniger als die Hälfte für die etwas längere aktuelle Erzählung. Aber ich hatte was geleistet in der Nachtschicht. Keinen Literaturtag, aber eine Literaturnacht vollbracht.

    Den Vorsatz fürs Jahr, jede Woche einen Literaturtag einzulegen, Platz für die Leidenschaft zu schaffen, habe ich längst ad acta gelegt. Er ist schlichtweg nicht umzusetzen. Nicht, wenn man zum Beispiel zwei Wochen in Südkorea verbringt und täglich von acht bis Mitternacht arbeitet.

    Oder wenn man für die Literaturnacht dafür büßt, die komplette nächste Woche krank und matschhirnig im Bett zu verbringen. Unfähig zu schreiben.

    Neuer Vorsatz: Vorsätze gut uminterpretieren

    Also entwickelte ich den Vorsatz weiter. Es ist nicht wichtig, jede Woche volle Literaturtage zu veranstalten, wenn ich doch am Ende des Jahres (zumindest grob) auf 52 Literaturtage komme. Gut, das ist natürlich nicht das gleiche. Aber ich kann damit leben. Die Sache mit der kognitiven Dissonanz funktioniert so.

    Nach Korea zum Beispiel nahm ich mir drei Tage am Stück und erklärte sie zu Literaturtagen. Aufholtage quasi. Am Ende schrieb ich weniger als ich wollte, aber ich dachte viel nach. Über Literatur. Sogar über meine Literatur. Das zählte für mich dann auch irgendwie.

    Vor zwei Wochen saß ich mit S. am Rande des Hafens von Dubrovnik (siehe Foto oben). Dort, wo man schon aufs offene Meer schauen kann. Wir wollten den Wellen dabei zuhören, wie sie an die Felsen klatschen. Und wir wollten möglichst niemand anderen dabei hören.

    Die großen Themen: Verrat und Schönheit

    Nun ist an einen Literaturtag nicht zu denken, wenn man mit S. in Dubrovnik am Meer sitzt, also nicht an volle Literaturtage. Sie weiß und toleriert, dass ich gelegentlich gar nicht anders kann, als an Literatur zu denken, einfach abzuschweifen. Sie ist selbst Künstlerin. Und so ließ ich dort am Meer die Idee für eine neue Geschichte zu mir kommen.

    Zwei Wettbewerbe für Erzählungen spuken mir zurzeit durch den Kopf. Sie widmen sich großen Themen: Verrat und Schönheit. Ich hetze meinem Zeitplan hoffnungslos hinterher, weil es da noch den anderen Vorsatz gibt, 2018 jeden Monat eine Kurzgeschichte zu schreiben und ich mit dem Verrat seit der verhängnisvollen Nacht nicht weitergekommen bin.

    Aber ich werde einfach im Mai fleißiger sein müssen. Oder im Juni. Ich hätte es auch vergangene Nacht sein können, aber da nahm mich Paul Auster gefangen.

    Und doch geht es immer weiter. Nicht, weil ich krampfhaft an einem Vorsatz festhalte. Sondern weil es Liebe ist.

    Schreiben und tanzen am Abgrund

    Freitag, Januar 11th, 2013

    Eigentlich ist es albern, dieses Durchstarten nach Silvester. Und doch ist es schwierig, sich vom Sog der guten Vorsätze zu lösen, erst recht, wenn mit dem neuen Jahr auch ein neues Lebensjahr beginnt. Und so habe ich es wieder getan, habe den Staub der Schaffenskrise zum Finale von 2012 abgeklopft und einmal kräftig durchgeschnauft.

    Seitdem sind die Rohfassungen zweier Kurzgeschichten und der Beginn einer dritten entstanden, durch meinen Kopf kreisen Ideen für ein neues Romanprojekt und ich habe mich durch Schreibratgeber gewühlt – im festen Willen, an meinem Handwerk zu schleifen. Eine Liste der aus subjektiver Sicht hilfreichsten Texte findet sich unten.

    Und dann ist da noch die andere Seite, die meinen Tagen in diesen Tagen Struktur verschafft: die journalistische, die geldbringende, broterwerbende. Eine Seite, die vielen Kollegen wenig Spaß bereitet in Zeiten des Zeitungssterbens, der ungewissen Sparpläne, der drohenden Personalkürzungen, der führenden Planlosigkeit.

    Die Hartnäckigkeit, mit der geschätzte Kollegen in den vergangenen Tagen einen (durchaus großartigen) belgischen Werbespot zur Faszination Zeitung verbreitet und als Zeichen der Zukunftsträchtigkeit verkauft haben, erinnert ans Pfeifen im Walde. Es wirkt auf mich wie ein trotziges fast verzweifeltes Klammern an eine vage Hoffnung.

    Für mich, den freien Freien, bleibt nur die Suche nach scheinbar standfesteren Geschäftsmodellen und den Genuss des Berichtens über bestimmte Themen und Termine, solange sie noch zu genießen sind. Die Zeitungsarbeit ist ein Schreiben und Tanzen am Abgrund, als Marc Bensch stehe ich am Fuße des Berges und versuche zu kraxeln.

    Beides kostet eine Menge Energie. Doch die Speicher sind gefüllt. Das Jahr ist ja noch jung.

     

    Zum Handwerk des Literaten: ein paar Empfehlungen

    Aristoteles: Poetik
    Sol Stein – Über das Schreiben
    Elizabeth George – Wort für Wort oder Die Kunst ein gutes Buch zu schreiben
    Patricia Highsmith – Suspence: Wie man einen Thriller schreibt
    Hans Peter Roentgen – Vier Seiten für ein Halleluja